Aschaffenburger Wartezimmer: Zwischen Unfreundlichkeit und fehlender Verständnis

„Ich glaube, es ist eigentlich nur ein verstauchter Finger. Solche Verletzungen hatte ich schon oft, aber dieses Mal ist der Bluterguss ziemlich heftig und die Schmerzen sind größer als sonst. Ich konnte den kleinen Finger zwei Tage nicht bewegen, weil die Schwellung so groß war. Ich glaube es ist keine große Sache, aber ich lasse trotzdem mal den Arzt drüber schauen.“, erklärt ein 24-jähriger Freizeitsportler im Wartezimmer eines Aschaffenburger Sportmediziners. Die Verletzung hat er sich beim Sparring-Boxen mit einem Freund zugezogen. Nun wartet er seit 60 Minuten, obwohl er Tage vorher einen Termin ausgemacht hat.

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Fast jeder war schon einmal in so einer Situation: Es ist eigentlich eine Kleinigkeit, der Blick des Arztes würde trotzdem Klarheit bringen. Im stickigen Wartezimmer aber sitzt man mit 15 weiteren Patienten, deren Nerven ramponierter sind als ihre Gesundheit. Jeder der Patienten hat seine persönlichen, alltäglichen Probleme und das Wehwehchen passt meistens absolut nicht in den Plan. „Man findet meistens sowieso wenig Zeit für sich und möchte diese auch nicht für das Warten beim Arzt verschwenden.“, so Christian Göbig, ein 45-jähriger Kaufmann aus Alzenau.

Das oft ungesehene Problem an der Geschichte ist aber, dass die Rezeption dabei minutiös Schimpftiraden genervter Patienten entschuldigen muss. Der Empfang kann meistens sehr wenig für das Problem der verlängerten Wartezeit. „Natürlich gehört es zum Job, es ist aber nicht schön an Tagen, die sowieso schon stressig sind, noch zusätzlich so viel Negativität abzukriegen. Ich verstehe die wartenden Patienten, aber ein Zeitplan beim Arzt kann sehr schnell in Verzug kommen. Da spielen sehr viele Faktoren eine große Rolle“, erklärt eine Aschaffenburger Rezeptionistin, welche anonym bleiben möchte. „Hört man sich immer wieder Gemecker an, so wird man selbst irgendwann unfreundlich und patzig. Im Nachhinein tut es mir meistens auch leid, aber manchmal werden Grenzen überschritten, da möchte man sich einfach wehren“.

Auch wenn man zum dritten Mal dasselbe Magazin durchblättert und immer nervöser wird, sollte man im Hinterkopf behalten, dass auf der anderen Seite des Empfangs auch nur ein Mensch sitzt: Der freundliche Umgang miteinander würde den stressigen Alltag etwas erträglicher machen. So ist frei nach dem amerikanischen Schriftsteller Mark Twain Freundlichkeit „eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können“. (km)

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