Vegetarismus: Ein Weg zum gesunden Leben?

BildDurch Erziehung, Gewöhnung und Kultur essen wir Tiere ohne uns dabei wirklich bewusst zu sein, welche Folgen diese Nahrungsweise hat. Nicht nur für das leidende Tier, sondern auch für uns Menschen sowie unsere Umwelt.

Viele Menschen hätten Scheu ein Tier selbst zu schlachten und auszuweiden. Das abgepackte Fleisch im Supermarkt umgeht jedoch dieses Problem: Ein paar Euro auszugeben ist eben leichter, als selbst die Axt zu schwingen. Problematisch ist, dass die Massentierhaltung der modernen Landwirtschaft danach strebt, eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und günstig wie möglich zu produzieren: selbstverständlich bei minimaler Platzanforderung, welche die Ursache für eine höhere Ansteckungsgefahr der Tiere darstellt. Kranke Tiere können meist aus Kostengründen nicht behandelt werden. Da der Kontakt zu den gesunden Tieren weiterhin besteht, ist die Gefahr einer Streuung von gefährlichen Keimen erhöht. So ist die Übertragung von Viren und Giftstoffen durch Fleisch aus der Massentierhaltung so groß wie noch nie zuvor. Der massive Einsatz von Antibiotika in der Geflügelzucht hat hochgefährliche Nebenwirkungen für den Konsumenten. Die Tierschützer vom „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ haben in deutschen Supermärkten in jedem zweiten Hähnchenprodukt resistente Bakterien entdeckt. Bei zehn von 20 Proben wiesen die Umweltschützer MRSA- oder ESBLproduzierende Keime nach. Diese Stoffe können beim Menschen dazu führen, dass sich Resistenzen gegen Antibiotika bilden: Ein infizierter Patient reagiert somit nicht mehr auf gängige Antibiotika und ist schwerer behandelbar. Übermäßiger Fleischkonsum kann zu Herz- und Krebsleiden führen, die Gefahr an Osteoporose, Gicht, Rheuma, Bluthochdruck, sowie Adipositas zu erkranken ist ebenso erhöht. Ist eine fleischlose Ernährung aber die Alternative? Leben Vegetarier wirklich gesünder als Fleischesser? Ja, Vegetarier leben gesünder, der Verzicht auf Fleisch alleine macht aber nicht gesund: Es ist vielmehr die bewusstere Lebensweise, welche ausschlaggebend ist. Viele Vegetarier verzichten auf Tabak, trinken seltener Alkohol und achten auf ausreichende Bewegung. In ihrem Alltag spielen Ruhepausen eine wichtige Rolle; ihr Körperbewusstsein ist größer. Im Allgemeinen ist die vegetarische Ernährung mit einer bewussten Entscheidung verknüpft, etwas für seine Gesundheit zu tun. Dazu gehört nicht nur eine ausgewogene Ernährung, sondern ausreichen Bewegung und Entspannung. Bei der Ernährung ist auf die Zufuhr von Eisen, Vitamin B12, sowie Calcium und Zink zu achten. Da durch Verarbeiten und Erhitzen viele Vitamine verloren gehen können, sollte mindestens ein Drittel der täglichen Nahrung aus Rohkost, Salat und Obst bestehen. Regelmäßiger Sport oder zumindest ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft, sorgen zusätzlich für ein besseres Wohlbefinden des Körpers und des Geistes.

Vegetarismus und Moral im Alltag
So ist die vegetarische Lebensart nicht nur gesünder, sondern auch moralisch wertvoller. Viele Menschen reagieren beim Anblick von Schlachthaus-Videos abgeschreckt, angewidert und empfinden sogar Mitleid mit den brutal geschlachteten Tieren. An ihrem Fleisch-Konsum ändert sich aber selten etwas. Warum lieben wir unsere Haustiere, essen aber Nutztiere? Wieso ist der Hund also moralisch wertvoller als das Schwein? In solch einem Fall spricht man nach dem USamerikanischen Rechtsprofessor Gary L. Francione von moralischer Schizophrenie: Obwohl der Mensch Mitleid empfindet und sich als Ursache des Leides erkennt, verändert die Tatsache des Leides nicht. Der Grund für diese moralische Schizophrenie ist die Angst des Menschen sein eigenes Leben zu beschränken. Schade ist hier, dass viele Menschen die Tatsache nicht verstehen, dass die vegetarische Lebensweise kaum Einschränkungen, aber große Verbesserungen des Lebens mit sich führt. „Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet Abscheu vor dem Töten“: Albert Schweizers Philosophie basierte auf einem allumfassenden Biozentrismus, welcher besagte, dass alles Leben gleichwertig sei, ob es nun ein Mensch, ein Tiger, eine Mücke oder ein Salatkopf sei. Im Überleben bzw. im Dasein müsse man jedoch subjektive Entscheidungen treffen. Frei nach dem Motto „Was muss, das muss!“, wäre es unumgänglich Leid zu vermeiden und eine Lebensweise einzuschlagen, die andere Spezies oder Individuen nicht beeinträchtigt. Das wichtige sei dabei jedoch, so Schweizer, dass man anhand objektiven Denkens subjektive Entscheidungen treffen sollte: Es sei wichtig an biozentrischen Idealen orientiert zu entscheiden. Da man im Alltag eine biozentrische Lebensweise allerdings nicht aufrecht halten kann, sollte man wenigstens in entsprechenden Situationen dem Ideal folgend entscheiden. Wenn es den Umständen entsprechend von Nöten ist ein Leben zu beschädigen oder zu zerstören, so sollte man sich dessen auch bewusst sein. Dies ist allerdings im Falle von Massentierhaltung oft nicht der Fall. Durch Erziehung, Gewöhnung und Kultur essen wir Tiere ohne uns dabei wirklich bewusst zu sein, welche Folgen diese Nahrungsweise hat. Nicht nur für das leidende Tier, sondern auch für unsere Gesundheit, sowie unsere Umwelt. (km)

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