Interview mit Straßenmusiker Nicolas Schroth

Bereits im Kinderchor entstand der erste Kontakt zur Musik und zog sich durch das weitere Leben des 23-jährigen Industriedesign-Studenten. Seine Leidenschaft zur Musik entstand aber erst Jahre später, da das eigenständige Auseinandersetzen mit der Musik viel aufregender sei, „als die Vorstellungen und den Geschmack eines Lehrers teilen zu müssen. Hinzu kommt das Schreiben eigener Songs, in die man seine eigenen Vorstellungen und Erwartungen einbringen kann und sich somit voll mit der Musik identifiziert.“ Im Interview berichtet Nicolas Schroth über seine Erfahrungen mit Straßenmusik.

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Durch Straßenmusik machte er die Erfahrung „dass man das Innere des Menschen nie beim bloßen Ansehen errät. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ein hochschicker Anzugträger auf Straßenmusiker zugeht, ein paar Euro einschmeißt, ehrlich interessiert ein Gespräch beginnt und noch mehr hören will“, so Nicolas Schroth im Interview. Der Spaß an der Musik steht hier im Vordergrund und wenn man sich als Passant davon anstecken lässt, gewinnt man sogar durch Straßenmusik etwas für den Tag.


Warum Straßenmusik? Was ist das Besondere daran?
Ich bekomme die Reaktionen der Zuhörer sofort mit. Klar, die Geschmäcker sind verschieden und egal was wir spielen, stoßen wir sowohl auf positive und negative Kritik. Wie wir darauf eingehen, bleibt allein uns überlassen. Die Freiheit bei der Straßenmusik spielt eine ganz große Rolle. Mein Kumpel und ich suchen uns irgendeinen schönen Platz aus, an dem wir uns wohl fühlen und beginnen zu improvisieren, nehmen ein weiteres Instrument hinzu oder lassen etwas weg. Wenn gesungen wird, wird gesungen. Wenn der Gitarrist mal alleine spielen will, geht sich der Andere ein Eis kaufen. Je nach Umgebung, Wetterlage oder Stimmung auf der Straße variiert auch die Musik, da wir die Eindrücke unterbewusst auf die Musik übertragen. So entstehen neue Ideen und die Musik wirkt authentisch. Nirgendwo gelingt das besser als auf der Straße.

Erlebst du viele Vorurteile beim Musizieren auf der Straße?
Bevor wir das erste Mal auf der Straße Musik machten, stellte ich mich schon darauf ein, mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. Jedoch wurde ich nie von oben herab behandelt oder in eine Schublade gesteckt. Ich denke es kommt auch darauf an, wie man sich darstellt. Wenn man selbstbewusst auftritt und zu dem steht, was man spielt, wird man auch entsprechend wahrgenommen. Ich bin mir sicher man sieht, dass wir einfach zwei Hobbymusiker sind, die Spaß an der Musik haben. Und wenn am Ende der eine oder andere Euro im Koffer gelandet ist, freuen wir uns umso mehr.

Was erlebt man in der Fußgängerzone? Welche Erfahrungen hast du gemacht?
Die Erfahrung, dass man das Innere des Menschen nie beim bloßen Ansehen errät. Zum Beispiel hätte ich nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet ein hochschicker Anzugträger mit Aktenkoffer auf Straßenmusiker zugeht, ein paar Euro einschmeißt, ehrlich interessiert ein Gespräch beginnt und noch mehr hören will. Worüber ich mich auch jetzt noch wundere ist, dass die Resonanz auf unsere Straßenmusik besonders bei Älteren und finanziell Schwachen vergleichsweise hoch ist. Vielleicht sind diese nur nicht so gestresst, wie alle anderen und bleiben auch mal stehen. Einmal hatte uns ein Obdachloser lange Zeit aufmerksam zugehört und schenkte uns sein ganzes Rotgeld, was er an diesem Tag gesammelt hat. Dazu bekamen wir von ihm einen kleinen Marienkäfer aus Holz, der uns seit diesem Tag beim Musizieren immer begleitet. Da fiel mir auf, dass Geld wohl nicht das ist, was uns wirklich glücklich macht.
Zu dem durften viele Passanten schmerzhaft erfahren, dass der Refrain des Songs „Safe Tonight“ definitiv zu hoch für meine Stimme ist. Das werde ich nie wieder in der Öffentlichkeit wiederholen. Hiermit möchte ich mich auch offiziell bei allen Geschädigten entschuldigen! [lacht] (km) // Foto: © Agnes Hausner

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