Jeff Koons in der Frankfurter Schirn

BildIm Sommer 2012 widmen sich die Frankfurter Schirn und die Liebieghaus Skulpturensammlung dem Werk des 1955 geborenen US-amerikanischen Künstlers Jeff Koons. Bewusst trennen die parallel stattfindenden Ausstellungen zur Arbeit dieses seit den 1980er-Jahren richtungsweisenden Künstlers den skulpturalen und den malerischen Aspekt seines OEuvres und stellen diesen jeweils in einem gesonderten Kontext dar. So wird in der Schirn unter dem Titel „Jeff Koons. The Painter“ die strukturelle Entwicklung des Malers Jeff Koons im Vordergrund der Präsentation stehen. In seiner monumentalen Malerei, deren Motivik sich aus unterschiedlichsten Quellen der Hoch- und Populärkultur speist, führen sowohl hyperrealistische als auch gestische Züge zu einer hochkomplexen bildlichen und inhaltlichen Verdichtung. In der Ausstellung „Jeff Koons. The Sculptor“ im Liebieghaus hingegen werden weltberühmte sowie auch ganz neue Skulpturen von Jeff Koons in einen Dialog mit dem historischen Gebäude und der eine Zeitspanne von 5000 Jahren umfassenden Skulpturensammlung treten. Erstmals präsentiert wird in Frankfurt Jeff Koons’ neue Serie „Antiquity“, in der sich der Künstler mit der antiken Kunst und deren zentralem Motiv, dem Eros, auseinandersetzt.

Jeff Koons wurde 1955 in York in Pennsylvania geboren. Er studierte am Maryland Institute College of Art in Baltimore und an der School of the Art Institute of Chicago und zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern der zeitgenössischen Kunst. Für sein künstlerisches Schaffen erhielt er viele Auszeichnungen, und seine Skulpturen im öffentlichen Raum, wie z.B. die monumentale Blumenskulptur „Puppy“ (1992), erlangten weitreichende Popularität.

„Bei meiner Arbeit geht es mir vor allen Dingen um den Betrachter“ – Jeff Koons.

In seinen Gemälden und Skulpturen greift Jeff Koons Elemente der Konsumkultur auf, zitiert künstlerische Epochen, gleichsam Objekte aus Alltag und Werbung und verweist somit immer wieder auf Kategorien wie Schönheit und Begehrlichkeit. Wie kein anderer versteht er sich dabei auf das Spiel zwischen Erhabenheit und Banalität. Obwohl seine Werke vertraute Motive unserer Konsumwelt zitieren, sind es nicht Kitsch und Ironie, die den Künstler beschäftigen. In einem Interview stellte er fest: „Ich arbeite mit Dingen, die manchmal als Kitsch bezeichnet werden, obgleich mich Kitsch an sich nie interessiert hat. Ich versuche immer, dem Betrachter Selbstvertrauen, eine gewisse innere Sicherheit zu vermitteln. Bei meiner Arbeit geht es mir vor allen Dingen um den Betrachter.“ Koons’ Augenmerk gilt nicht „der Komplexität, sondern der Einfachheit des Seins“ und dessen Akzeptanz. In seinem Werk findet dies in elementaren Themen wie Kindheit oder Sexualität Ausdruck. Entgegen einer kunstgeschichtlichen Tradition der Subjektivität jedoch betont Koons eine künstlerische Objektivität und bedient sich dabei des Verfahrens des Readymade. Sowohl seine Skulpturen als auch seine Malereien haben durch ihre handwerkliche Finesse und ihre Attraktivität der Oberfläche eine besondere suggestive, beeindruckende Wirkung auf den Betrachter.

Die Zitate, die Koons aus dem Alltagsleben und aus verschiedenen Kunst- und allgemein historischen Epochen in seinen Gemälden miteinander verwebt, sind frei schwebende Kompositionselemente und gelangen modulierend oder wiederholend zum Einsatz. Mittels Verwendung von bildbearbeitenden Computerprogrammen gelingt es ihm, eine Vielzahl von Schichten übereinanderzulegen und eine Einheit ohne Zentrum entstehen zu lassen. In analytischer Detailarbeit löst Koons die so entstehende Bildkomposition in ein Spektrum von vielfach differenzierten Farben auf, um sie anschließend penibel auf Leinwand übertragen zu lassen. Kühl, maschinell und absolut perfekt erscheinen die Gemälde, die, wenn auch von Hand gemalt, einer klar definierten Route folgen.

Jeff Koons: „Was so interessant ist an Kunst, und was ihren Wert ausmacht, ist doch, dass sie uns mit der Menschheitsgeschichte verbindet. Und darauf konzentriert sich mein Interesse an der Kunst, und das ist der Wert, den die Kunst mir und meiner Familie bedeutet. Und ich glaube, dass es auch das ist, was die Betrachter merken werden, wenn sie durch die Salons gehen.“ (km) // Foto: © Jeff Koons, Monkey Train, 2007

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