Nepal: So weit einen die Füße tragen…

15:45 Uhr – Ankunft in Kathmandu. Unser Reiseveranstalter ist bereits da, als wir die Hallen des Airports verlassen. Das Wetter ist mäßig – Regen zieht auf. Die Blicke aus dem Taxi fangen erste Eindrücke ein.

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Angekommen im Touri-Stadtviertel Tamal geht es nach kurzer Hotelvisite und dem selbstgewählten Begrüßungstrunk – einem kühlen Everest-Bier – direkt ins Stadtleben. 16 Stunden Flug mit Umstieg in Abu Dhabi haben hungrig gemacht. Eilig stürzen wir die Stufen zu einer Dachterrasse hoch – typischerweise speist man hier etwas höher. Es gibt Momos (gefüllte Teigtaschen), Pagodas (eine Art Reibekuchen) und Roti (Fladenbrot).

Schnell lernen wir andere Reisende kennen und kommen ins Gespräch. Und so vergeht die Zeit wie im Flug und wir brechen viel zu spät auf. Die Strassen sind dunkel – Strom ist hier ein hohes Gut – dennoch finden wir auf unserem Heimweg einen kleinen Straßenstand, an dem wir noch ein paar Happen Beef und Chicken als Mitternachts-Snack genießen.

Der zweite Tag bricht an und wir werden früh von unserem englischsprachigen Stadtführer abgeholt. Es geht zu einem buddhistischen Kloster. Hier lernen wir, dass man immer linksherum um die Stupa geht. Die Stupa ist ein Denkmal, das Buddha symbolisieren soll. Die Erklärung für das Ritual ist so simpel wie einfach: In der nepalesischen Kultur ist die rechte Hand die saubere. Diese reicht man dem Freund oder man isst mit ihr (natürlich ohne Besteck oder Stäbchen). Geht man also linksherum, ist die „gute“ Hand näher am Heiligtum. Mit viel zu vielen Eindrücken endet unsere Stadtführung dann abends in der Hotelbar mit einem kühlen Everest-Bier.

Am nächsten Tag geht es los zu unserem eigentlichen Reiseziel – dem Annapurna District. Doch vorher heißt es noch eine Nacht in Pokhara, der zweitgrößten Stadt Nepals, zu verbringen.

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Reisetag 4 – 1. Etappe: Nachdem wir am Vorabend unseren Guide Raj kennen gelernt haben, fahren wir am frühen Morgen nach Nayanpul, wo unser neuntägiger Trekking-Trip startet. Leichter Anstieg, mildes Klima, so kann es weitergehen, denke ich. Doch weit gefehlt. Die nepalesische „Bergwander-Wahrheit“ holte mich direkt am zweiten Tag ein. Von Tikhedungga (1480 m Höhe) unserer ersten Übernachtungsstation nach Ghorepani (2860 m Höhe) sind es gefühlte 5000 Stufen, die wir erklimmen mussten. Zu schnelles Laufen und falsche Atmung haben mir und vor allem meiner Verdauung dann doch etwas zu Schaffen gemacht.

Doch die ersten Strapazen wurden sogleich belohnt: Tag drei der Etappe führt uns durch scheinbar unendlich weite Rhododendren-Wälder. Ein Farbenspiel aus rosa, rot und grün. Nach vier Stunden berauschender Wanderzeit geht es zwei Stunden an einem Wasserfall entlang. Beide Streckenabschnitte waren zutiefst beeindruckend. Und so kam es, dass wir am frühen Abend müde und zufrieden in unsere Bett in Tadapani (2630 m Höhe) fielen.

„Nepali Flat“ hat unser Guide Raj gesagt und dabei gelacht. Was er damit gemeint hat und warum er gelacht hat, wurde mir am vierten Tag begreiflich. Mit Flat (englisch für flach) hatte die Wegstrecke des vierten Tages nichts zu tun. Bergauf – bergab – bergauf und dann wieder bergab. Nur, um am Ende des Tages 300 Meter niedriger in Sinuwa (2360 m Höhe) zu landen. So hatte ich mir das Wandern wahrlich nicht vorgestellt. Doch Buddha sei Dank sollten die nächsten beiden Tage zum Annapurna Basecamp (kurz A.B.C.) mehr bergauf als bergab gehen.

Doch die Freude wurde am sechsten Tag durch heftigen Schneefall getrübt. So kamen wir durchnässt und etwas unterkühlt mit 1,5 Stunden Verzug im Basecamp des Annapurna an. Wer jetzt denkt, dass ein heißer Ofen oder gar eine heiße Dusche auf uns gewartet hätte, der irrt. Der Gasbrennofen in der Stube wird hier erst spät am Nachmittag entzündet.

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Bei minus sechs Grad und in 4180 Höhenmetern schliefen wir die Nacht mal mehr, mal weniger gut. Aber wie so oft wurden unsere Mühen belohnt. Punkt 5:45 Uhr erlebten wir bei klarem Wetter einen wunderschönen Sonnenaufgang. Die umliegenden Berge Annapurna und Machupuchare erstrahlten im Glanz der Morgensonne und versprühten ihre ganz eigene Magie.

Der anschließende Weg hinab nach Bamboo (2310 m Höhe) wurde von unzähligen Fußspuren eines Schneeleoparden gesäumt. Doch schon wartete die nächste Überraschung auf uns: Viel Neuschnee und starke Sonneneinstrahlung hatten einige Schneelawinen in Gang gebracht. Mit genügend Abstand ließ sich dieses Spektakel auch schön beobachten. Wenn man jedoch zur Bergspitze schaute und feststellte, dass man sich in unmittelbarer Nähe der herankommenden Lawine befand, hätte es gefährlich werden können. Unser Guide Raj gab uns knapp zu verstehen, so schnell wie möglich zu rennen, um von der Gefahrenstelle zu flüchten. Nach wenigen Schreckminuten, einem Puls von 300 und einem noch nie zuvor erlebten Adrenalin-Ausstoss sahen wir dann, dass die Ausläufer der Lawine unseren Weg umgingen. Es wäre also auch so gut gegangen – doch das hätte uns vorher nur niemand sagen können.

Der vorletzte Tag mit Ausblick auf ein Bad in den heißen Quellen von Jhinudanda (1780 m Höhe) ließ viel Gutes verheißen. Und so blickten wir frisch gebadet unter strahlendem Sternenhimmel bereits jetzt etwas wehmütig auf unseren Trekking-Trip zurück.

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Schneller als gedacht ging dann der letzte Wandertag mit Übernachtung in Birethandi (1102 m Höhe) vorüber. Es folgte ein weiterer Tag in Pokhara und einer in Kathmandu, wo wir mit den letzten Rupien ein paar Souvenirs ergattern konnten.

Mein Resümee: Was für eine traumhaft schöne Natur! Die Nepali sind ein tolles, freundliches und fröhliches Volk und neun Tage Wandern ist verdammt anstrengend.

Zum Schluss bleibt nur noch Danke an meinen Kumpel Hagen zu sagen, der mich 14 Tage lang ertragen hat. Und auch Danke an Herrn Zirof vom Schuhhaus Zirof, bei dem ich die beste Beratung zum Thema Wanderschuhe bekommen habe.

Namaste und Pheri betaaula!
Text & Fotos: Christoph W.

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