Autokino Gravenbruch: Eine Hommage an die Magie des Autokinos

Junge Männer trugen Chuck Taylor All Stars, College-Jacken und präsentierten den Rockabilly Hairstyle. Die jungen Frauen trugen kurze Buntfaltenröcke und toupiertes, blondes Haar. Stilikonen wie Marilyn Monroe, Elvis Presley und Little Richard setzten Trends und ließen eine neue Popkultur hochleben. Die 1950er waren eine unverkennbare Zeit in der die amerikanische Rock’n’Roll Kultur ihre Hochphase hatte. Und wohin fuhr man mit dem polierten Chevrolet Impala Cabrio zum Date? Selbstverständlich in die letzte Wagenreihe des Autokinos. Die sogenannte „love lane“ wurde bevorzugt, da man dort mit seiner Freundin den einen oder anderen Horrorfilm in besonderer, kuschelnder Zweisamkeit genießen konnte. Das Autokino war in den 1950ern ein Ort der Freiheit und Kultur für Jugendliche und ein großer, rebellischer Ausdruck gegen die prüde, amerikanische Gesellschaft. In Deutschland erlebte das Autokino seinen Boom verspätet in den 1980ern; besonders mit Filmen wie „Otto – Der Film“ oder „Manta, Manta“. Doch wie sieht es mit dem Autokino heute aus?

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Autokino Gravenbruch am 31.03.1960 mit dem US-amerikanischen Film „Der König und ich“ mit Yul Brunner und Deborah Kerr.


Ja, es gibt sie noch, die Autokinos. Abend für Abend strahlen vereinzelt die Kultleinwände in die nächtliche Dunkelheit. Und es lässt sich hier immer noch besonders gut kuscheln und knutschen. „Es ist genauso wie früher. Man fühlt sich wieder jung“, lacht Ralf Biedermann, Besucher im Autokino Gravenbruch. Zu seiner Überraschung sind an diesem Abend mehr Jugendliche da, als erwartet: „Es ist schön zu sehen, dass diese Szene noch so lebendig ist und dass sie auch in den nächsten Jahren nicht aussterben wird“. Interessant ist die Tatsache, dass das Frankfurter Autokino Gravenbruch das älteste Autokino Europas ist und sich trotzdem Abend für Abend zahlreicher Besucher erfreut. Ob es „The Expendables 2“ mit Silverster Stalone oder das Remake von „Total Recall“ ist: Noch heute flimmern die aktuellen Blockbuster über die 15 Meter hohen und 36 Meter breiten Leinwände. Pause gibt’s nur im Winter. Damit eine gute Sicht auf die Leinwand gewährleistet ist, sind die Stellplätze in Gravenbruch leicht wellenförmig, so dass die Vorderräder der Autos erhöht stehen können. Die Beschallung erfolgt über eine UKW-Frequenz und kann per Autoradio auf 91,5 MHz für Bildwand 1 und 88,6 MHz für Bildwand 2 gehört werden.

Mittlerweile hat sich eine kleine Fangemeinde gebildet, die das einzigartige Gefühl im Autokino schätzt. „Die Burger und Pommes sind die besten, die es im Umkreis gibt“, so ein Gravenbrucher Fan, der jedoch zugibt, dass beim Geschmack wohl jede Menge Nostalgie mitschwingt. Die Snackbar bietet alles frisch vom Hamburger, Bratwurst und Pommes über vielerlei Süßwaren, Eis bis hin zu frischem Popcorn. „Ist echt richtig lecker. Aber über die Preise wollen wir erst einmal nicht reden“, lacht der Fan weiterhin. „Es ist halt was anderes als ein normaler Kinobesuch. Man kann machen was man will, man kann die Sitze aus dem Auto ausbauen, vorwärts parken, rückwärts parken. Sich ins Auto reinlegen und sich drüber freuen, wenn die Nachbarn komischerweise das Autolicht anmachen und die Leinwand beleuchten“, erzählt Nicolas Schroth, 24-jähriger Industriedesign-Student. „Man hat auch irgendwie ein bisschen mehr Privatsphäre. Es ist wie das Gefühl mit guten Freunden im Garten zu sitzen und gemütlich ein paar Filme zu schauen.“, so Nicolas Schroth weiter. Ob es der treue Stammkunde, der noch die „guten, alten Zeiten kennt“ oder der nur gelegentlich vorbeischauende Jugendliche ist: Das Frankfurter Autokino Gravenbruch strahlt auf jeden eine unvergleichliche Atmosphäre aus. In der Luft liegt nicht nur der Geruch von frischem Popcorn, sondern auch Nostalgie der vergangenen Jahrzehnte und jede Menge Kinomagie. (km) // Foto: http://www.autokinos-deutschland.de/

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