Weihnachten in unserer Region

Kurzinterviews in der Aschaffenburger Fußgängerzone
Für viele in unserer Region ist die Adventszeit etwas ganz Besonderes: Es ist ein gemütliches, festlich geschmücktes Zuhause in dem man mit den Liebsten am Tisch oder am Kaminfeuer beim Duft der frischgebackenen Plätzchen und der angenehmen Weihnachtsmusik entspannen kann. Und wenn man nun doch aus den warmen 4-Wänden raus muss, dann geht es selbstverständlich auf die chaotische Suche nach Geschenken für Freunde und Familie. Die Adventszeit hat allerdings auch eine ganz andere Seite: Stress, Hektik und Chaos. Welches Weihnachtsmenü macht man dieses Jahr? Wo kriegen wir einen günstigen Baum her? Wie dekorieren wir die Wohnung? Und die Geschenk-Frage ist immer die gleiche: Was soll ich meiner Familie dieses Jahr schenken? Der Druck jedes Jahr etwas Originelles zu schenken wird von Jahr zu Jahr größer und zerstört den Gedanken des Schenkens. Doch wie sieht es in unserer Region aus; wie sind die Menschen auf Weihnachten eingestellt?

„Braucht kein Mensch. Sag ich ganz ehrlich. Klar, ist es ganz schön mal die Familie an einen Tisch zu kriegen, aber das kann man auch mal an einem ganz normalen Sonntag hinkriegen. Und die Geschenke, sind meistens eh irgendwie verkehrt oder gefallen nicht so wirklich. Ein Gutschein ist da das einfachste, da können sich die Kids was aussuchen, was sie wirklich wollen. So richtig weihnachtlich ist das nicht, ich gebe es zu, aber ist ziemlich stressfrei.“, so ein 52-jähriger Aschaffenburger, der lieber anonym bleiben möchte. Getroffen haben wir den selbsternannten Weihnachtsmuffel in der Fußgängerzone, wo er gerade mit einer Geschenktüte vom Juwelier kam: „Meine Frau wollte schon lange diese Uhr von Thomas Sabo. Finanziell kam immer irgendwas dazwischen, aber diesen Monat hat es gepasst, deswegen dachte ich mir, ich lege das Ding mal unter den Baum. Ihr dürft aber meinen Namen nicht schreiben, nicht dass sie vorher rausfindet, was sie zu Weihnachten kriegt!“. Das Geheimnis ist bei uns selbstverständlich gut aufgehoben! Doch auch wenn der Mann anfänglich starke Kritik am Fest der Liebe äußerte, zeigt der Kauf der Uhr nun doch, dass er sich bei der Auswahl der Geschenke Mühe und Gedanken macht. Steckt in jedem Weihnachtsmuffel also doch ein heimlicher Weihnachtswichtel?

„Ich liebe Weihnachten. Wir feiern das Fest zwar immer in einem sehr kleinen Kreis, aber das ist ja gerade das Schöne daran: Einfach zusammen sein, die Geschenke auspacken und meistens direkt am gleichen Abend bei lecker Essen ausprobieren.“, kommentiert Roland Schwarz, ein Student aus Berlin, der die Feiertage bei seinen Eltern in Alzenau verbringt. „Ich komme leider nicht so regelmäßig hier in die Region, aber kurz vor Weihnachten lasse ich mich hier immer wieder blicken und an Weihnachten bin ich sowieso zu Hause“. Die Frage was Weihnachten so besonders mache, beantwortete der Student ziemlich klar mit den Worten: „Mamas Essen!“. Die Geschenk-Frage hingegen ist eine andere Problematik: „Das ist leider etwas, womit ich immer Stress habe. Meistens renne ich gehetzt am 23sten durch Aschaffenburg und versuche krampfhaft etwas zu finden. Gute Ergebnisse sind da eher Glück als wirkliche Überlegung, aber das passt schon meistens irgendwie“.

Bei unseren Straßeninterviews befragten wir 25 Personen in der Aschaffenburger Fußgängerzone. Mit Weihnachten verbinden 72% (18 von 25) der Befragten Zeit mit der Familie. Für 68% (17 von 25) sind „Geschenke“, „Gemütlichkeit“ und „ein schöner, großer Weihnachtsbaum“ ebenso wichtig. „Gutes Essen“ ist erstaunlicherweise nur 60% (15 von 25) der Befragten wichtig an Weihnachten. Unsere nimmersatte Redaktion kann hier nur den Kopf schütteln. Die Religion spielt an Weihnachten in unserer Region allerdings eine noch geringere Rolle: Nur für 40% (10 von 25) der Befragten ist Weihnachten auch ein Fest der „religiösen Besinnung“. Der „Kirchgang“ und „Spenden“ haben nur 32% (8 von 25) erreicht. Auch wenn die Umfrage mit nur 25 Befragten klein ausfiel und wohl nicht als 100% repräsentativ gelten kann, wurde ziemlich schnell klar, dass Weihnachten grundsätzlich als ein ziemlich positives Fest wahrgenommen wird: Negative Assoziationen wie „Einsamkeit“ (12% – 3 von 25), „Familienstreit“ (12% – 3 von 25) oder „Kitsch“ (24% – 6 von 25) fielen in den Umfragen eher selten. Für unsere Region ist Weihnachten zwar nicht mehr das gleiche Fest wie es Generationen vor uns war, allerdings ist es trotzdem etwas ganz Besonderes: „Fern von dem ganzen Alltagstrott und dem alltäglichen Stress sind es einfach die schönsten Tage im Jahr. Egal ob große Familie im vollen Haus oder nur zu zweit in einer kleinen Wohnung: Weihnachten ist das Fest schlechthin. Gutes Essen, tolle Geschenke, schöne Dekorationen und hoffentlich auch dieses Jahr jede Menge Schnee. Es ist einfach schön und ich freue mich schon sehr lange darauf.“, so Brigitte Wolf, Kindererzieherin aus dem Raum Kahlgrund.

Vielen Dank für die Teilnahme und ihre Ehrlichkeit bei den Kurzinterviews. Ein großer Dank gilt des Weiteren den Helfern bei der Auswertung der Ergebnisse und beim Transkribieren der Tonaufnahmen! Der Artikel war ein schönes Projekt. (km)

Kommentare sind geschlossen