Die Welt ist groß. Machen Sie sich auf den Weg!

Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Nicolas Schroth
Mein Name ist Nicolas. Ich bin 24 Jahre alt und Student. Versetzen Sie sich mal in meine Lage und versuchen Sie meiner Friseurin zu erklären, was das Besondere am Wandern ist. Warum ziehen Sie eine anstrengende Wanderung mit Nächten im Freien den Sonnenstränden, All-Inclusive Hotels und maximalem Unterhaltungswert vor? Was antworten Sie auf die ernst gemeinte Frage, ob Sie sich zum Essen gehen Rehe jagen? Wie erklären Sie ihr, dass es nichts Schöneres gibt, als nach einem Tag voller Anstrengung, aber auch einmaligen Eindrücken, unter dem Sternenhimmel zu liegen, die Natur wahrzunehmen und Sternschnuppen zu zählen. Weit ab von Stress, Lärm und Alltag. Stolz auf sich zu sein, 30 bis 40 Kilometer per Fuß zurückgelegt zu haben. Unvergessene Momente zu erleben und tolle Erinnerungen und Fotos mit nach Hause zu nehmen? Wer bis hierher ansatzweise nachvollziehen kann, wo der Reiz beim Wandern liegt, sollte schnell weiter lesen. Alle anderen Leser können gerne weiter in dem Irrglauben leben, Wandern sei nur was für Ökos, Landleute oder ältere Menschen. Sie können sich an den Pool in einer überfüllten Ferienanlage legen und sich weiterhin beschweren, wie schmutzig die Zimmer, warm die Cocktails, und laut die spielenden Kinder sind. Doch alle Interessierten rufe ich auf sich einmal in unserem Heimatland umzuschauen und zu erkennen, welche Natursehenswürdigkeiten geboten werden: Nehmen Sie sich eine Woche Zeit dem Alltag zu entfliehen. Packen Sie Ihren Rucksack und ziehen Sie los.

Vorbereitung einer Wanderung
Doch wie bereitet man sich auf eine Wanderung vor? Meine folgenden Tipps stammen nicht von Internetseiten oder schlauen Büchern, sondern allein aus meiner bisherigen Erfahrung. Zunächst legen Sie fest, wie lang Ihre Wanderung andauern soll: Hierfür würde ich eine Woche empfehlen, mit Tagestrecken von 20 bis 30 Kilometern, je nachdem in welcher körperlichen Verfassung Sie sich befinden. Für den Zeitpunkt der Wanderung empfehlen sich Monate, in denen es nachts nicht zu kalt und tagsüber nicht zu heiß wird, wie den Mai oder September. Scheuen Sie sich nicht vor Regen, denn dieser gehört dazu, wenn man die Natur erfahren will. Wenn die Strecke fest steht benötigen Sie einen guten Rucksack, solide Wanderschuhe, an denen Sie nicht sparen sollten, eine Isomatte sowie einen Outdoor-Schlafsack. Die meisten Outdoor-Fachgeschäfte in Aschaffenburg und Umgebung können Sie hier kompetent und flexibel beraten.

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Der schönste Teil der Wanderung ist der Kontakt mit Natur und Tier. Seien es bloß freilaufende Kühe auf der Weide, die Begegnung mit einem Hirschrudel oder doch das etwas beängstigende Aufeinandertreffen mit einem Wildschwein: Es ist immer ein Erlebnis für sich, woran Sie sich im Stadtalltag gerne erinnern werden.


Tipps zum Packen des Rucksacks
Verzichten Sie auf ein Zelt: Nachts können Sie in Pensionen oder Schutzhütten schlafen, die alle paar Kilometer stehen und auf Wanderkarten eingezeichnet sind. Packen Sie nichts ein, was Sie im Fall des Falles gebrauchen könnten, nur was sie definitiv brauchen. Legen Sie die leichten Dinge nach unten, die schweren ganz nach oben. Sonst zieht Sie das Gewicht des Rucksacks immer stark nach hinten. Ist das Hauptgewicht (meist das mitgenommene Wasser, sowie Ausrüstung für das Nachtlager) oben, werden Sie davon eher geschoben. Vorteilhaft ist hier, dass Sie das Wasser dem Rucksack entnehmen können, ohne ihn abzusetzen. Nun kann die Wanderung beginnen. Lassen Sie sich am Anfang nicht abschrecken. Der Körper muss sich zunächst an die Belastung gewöhnen. Meist schon während der ersten Tage werden Sie erstaunt sein, was ihr Körper aushält. Und wundern Sie sich nicht, wenn Sie um 20 Uhr schon schlafen und um 6 Uhr morgens aufwachen. Als Student bediene ich mich traditionell dem Klischee, spät ins Bett zu gehen und spät aufzustehen, doch mein gewohnter Schlafrhythmus änderte sich sehr schnell: Bereits mit den ersten Sonnenstrahlen wachen Sie umgeben von Vogelgezwitscher und frischer Luft auf. Das bemerkenswerte daran ist: Es fühlt sich vollkommen natürlich an; selbst für chronische Langschläfer.

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Beim Wandern gibt es nichts Schöneres als die Stille und Ruhe entlang des Weges: Weit ab von Stress und Lärm des normalen Stadt-Alltags. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Sie zur Ruhe kommen, während sie durch verschlafene Ortschaften ziehen.


Machen Sie sich auf den Weg!
Mir bleibt jetzt nichts weiter übrig, als ein paar Anekdoten aus meinen Wanderungen zu berichten. Aber was soll ich von nächtlich auftauchenden Hirschrudeln erzählen, deren Augen im Taschenlampenlicht bedrohlich leuchteten? Oder von Wildschweinen, die in der Nähe unseres Schlafsacks vorbei kamen und vor sich her grunzten? Von schönen Wasserfällen, durch die man steigen kann, um sich zu erfrischen? Von unzähligen, sonst unsichtbaren Spinnennetzen, die durch den frühen Tau in der Morgensonne glitzerten? Von der Morgensonne, die durch die Bäume strahlte und der Abendsonne, die die Baumwipfel rot färbte? Von einer Kilometer weiten Aussicht ins Tal bei einer Übernachtung am Gipfel eines Weinbergs? Von unzähligen Sternen und Sternschnuppen, die sonst von den Lichtern der Stadt nicht zu sehen sind? Von der unglaublichen Stille der Natur? Von tiefen Schluchten und schmalen Pfaden? Von riesigen Felswänden, die scheinbar nur durch das Wurzelgeflecht der Bäume zusammen gehalten werden? Von Wegen quer über eine sonnige Kuhweide oder durch kühlende Tannenwälder? Von frischem Quellwasser? Machen Sie Ihre eigenen Erfahrungen! Denn wo findet man für solch einen geringen finanziellen Aufwand so viele positive Eindrücke und Erinnerungen fürs Leben? Warum sollte man innerhalb der Mauern einer Hotelanlage versauern, die wie jede andere aussieht? Die Welt ist groß und hat viel zu bieten. Machen Sie sich auf den Weg! Text + Fotos: Nicolas Schroth

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