Raus in die Natur: Die mehrtägige Wanderung

Persönliche Tipps von Karol Majewski: Der Winter war kalt, grau und sehr ungemütlich. So ist es nicht verwunderlich, dass viele unserer Leser nun ein tiefes Bedürfnis nach Sonne und viel grüner Natur haben. Nicht jeder kann sich allerdings einen All-Inclusive-Urlaub im 5-Sterne Hotel gönnen, den oft hapert es bereits an dem nötigen Kleingeld. Eine deutlich günstigere und abenteuerliche Alternative ist hier eine mehrtägige Wanderung: Rucksack packen, Zelt und Regenponcho nicht vergessen, die besten Freunde im Schlepptau und los geht’s! Für ein kleines Wanderabenteuer muss man nicht zwingend ins Ausland, denn auch Deutschland bietet schöne Wanderwege, auf denen man den Kopf frei kriegt und zur Ruhe kommen kann. Mit den besten Freunden oder alleine, entspannt in einer ländlichen Gegend oder ehrgeizig den Höhenmetern nachjagend, im Freien oder in Herbergen übernachtend: Nach einem mehrtägigen Wanderabenteuer fragt man sich ob man für ein Stück Freiheit wirklich sein ganzes Geld in Reisebüros lassen muss. Besonders in unserer Region haben wir mit dem Spessart einen unterschätztes Paradies an Wanderwegen: Frische Luft, Bewegung sowie gemütliche Nächten am Lagerfeuer unter klarem Sternenhimmel inklusive.

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Bei aufgeschlagenem Nachtlager und einer Aussicht, die Sie sonst nur von ihrem Desktop-Hintergrund gewohnt sind kommt man zur Ruhe und kann seinen Kopf von den alltäglichen Gedanken befreien: Das Leben ist auf einmal entschleunigt, entspannt und ganz einfach. Es mag ziemlich pathetisch klingen, aber sie werden die Dinge in ihrem Leben in einem ganz anderen Licht sehen. Versprochen.


Dinge, die zu Hause bleiben sollten
So benötigt man für eine mehrtägige Wanderung nicht viel, denn jedes überflüssige Kilo im Rucksack ist nicht nur eine Last, die man spätestens nach einem Tagesmarsch von 20 Kilometern deutlich spüren wird. Zudem ist es ein befreiendes Gefühl nicht viel dabei zu haben, denn je weniger dabei, desto weniger Gedanken macht man sich. Ich persönlich mag es, nach einer Nacht an einer Fackel oder einem Lagerfeuer morgens mit der Sonne aufzustehen, meinen Schlafsack einzurollen und direkt loszulaufen. Erfahrungsgemäß braucht man den Großteil der mitgenommenen Klamotten sowie des mitgeschleppten, „äußerst wichtigen“ Kleinkrams gar nicht: Buch für die Langweile zwischendurch, MP3-Player, Tablet-Computer und der sonstige im Alltag überlebenswichtige Kram sollte zu Hause bleiben. Das Einzige was sie nicht vergessen sollten ist das Handy: Für den Notfall sollte es immer griffbereit sein. Ich persönlich schalte es allerdings trotzdem komplett aus. Es ist gut zu wissen, dass man eins dabei hat, allerdings ist für mich eine Wanderung nicht nur körperliche, sondern auch geistige Bewegung: Da lenkt ein Handy zu sehr ab. Für viele ist es unvorstellbar einige Tage ohne Handy auszukommen, allerdings werden Sie es schnell merken, wie stressfreier der Tag ist, wenn das Handy nicht alle 10 Minuten klingelt, vibriert, Eilmeldungen vermittelt und an Updates oder Termine erinnert.

Dinge, die nicht vergessen werden sollten
Was sollte also in den Rucksack? Selbstverständlich Hygieneartikel wie Zahnbürste, Zahnpasta, ein kleiner erste Hilfe-Kasten, Desinfektionsspray und oft vergessen, dabei doch so überlebenswichtig: Toilettenpapier. Wenn Sie eine längere Zeit an keinem Dorf oder Herberge vorbeikommen, ist das kleine gerollte Weiß ein Segen. Brillen- oder Kontaktlinsenträger sollten ihre Pflegemittel nicht vergessen. Des Weiteren sind Sie mit 2-3 Litern Mineralwasser sowie einer kleinen Notration an Brot immer an der sicheren Seite. Hier empfiehlt sich fertig abgepackter Pumpernickel, der sehr lange haltbar ist. Unabdingbar sind ebenso eine Landkarte mit der eingezeichneten Route, ein Kompass, eine Taschenlampe, ein Stück Seil oder grober Garn sowie Feuerzeug, Streichhölzer und ein Taschenmesser sowie eine kleine Schaufel. Ich persönlich benutze das Garn regelmäßig beim Aufbau des Nachtlagers oder um Dinge am Rucksack besser zu befestigen. Das Messer, die Schaufel sowie das Messer werden Sie möglicherweise beim Frühstück, beim Feuermachen oder beim improvisierten Nachtlager gebrauchen können.

Welche Kleidung sollte ich mitnehmen?
Geht es um Kleidung, gibt es leider keine Faustregeln. Erfahrungsgemäß sollten sie selbstverständlich genügend Unterwäsche und Socken mitnehmen, an warmen Tagen wechselt man selbiges gerne mehrmals täglich. Da man während einer Sommerwanderung verstärkt schwitzt, macht es allerdings eh nicht so viel Sinn zu viele Klamotten mitzunehmen. Je nach Länge der Wanderung und Routenplanung müssen Sie sich sowieso einer Sache bewusst werden: Duschen ist für die nächsten Tage Rarität, denn nicht immer und überall haben Sie die Möglichkeit dazu. Also lieber weniger Kleidung mitnehmen und diese länger tragen, sonst schleppen sie nach einigen Tagen einen Rucksack voller dreckiger Wäsche mit, die – wenn sie nicht an der frischen Luft ist – oftmals unangenehme Gerüche entwickeln kann. Empfehlenswert sind zwei kurze Sporthosen, eine lange Hose sowie ein wärmender Pulli für die Abende sowie genügend T-Shirts. Was sie jedoch im Endeffekt mitnehmen ist von der Länge ihrer Wanderung sowie ihrem persönlichen Wohlbefinden abhängig. Persönlicher Tipp: Weniger ist oft mehr. Eine Wanderung mit einem zu schweren Rucksack wird eher eine Qual als ein Abenteuer.

Wo geht es hin?
Für Wander-Anfänger empfiehlt sich die Birkenhainer Straße im Spessart. Dieser insgesamt 71 Kilometer lange Wanderweg zwischen Hanau und Gemünden am Main ist ein ehemaliger mittelalterlicher Heer und Handelsweg zwischen Rheinfranken und Ostfranken. Da der Weg entlang der Bergrücken verläuft und somit anstrengende Auf- und Abstiege vermeidet, ist er perfekt für ungeübte Wanderer am Anfang ihrer Freizeitkarriere. Die Geschichte der Birkenhainer Straße, deren erste urkundliche Erwähnung im Jahr 810 n.Chr. erfolgte, war geprägt von Spessarträubern auf die Handelstransporte. Heute können Sie jedoch beruhigt die Wanderung in Angriff nehmen: Gemütlich urige Gaststätten sind im Halbtagesmarsch voneinander entfernt, d.h. Sie erreichen zu fast jeder Zeit ein Mittagessen oder das kühle „Feierabendbier“. Besonders leckere Küche finden Sie im Gasthof „Zum hohen Knuck“ in Lichtenau oder der Waldschänke „Bayrische Schanz“ in Lohr-Ruppertshütten. Beide Gaststätten liegen entlang des Weges und sind spezialisiert auf den großen Wandersmann-Hunger.

Die Philosophie einer Wanderung
Für mich persönlich ist eine Wanderung nicht nur das Erleben von Natur, es ist mit etwas verbunden, dass uns im Alltag oft fehlt: Freiheit. Sie sollten vor jeder Wanderung zwar eine gezielte Route planen und immer Tagesetappen mit den entsprechend schnell erreichbaren Schlafplätzen festlegen, doch es ist auch nicht verkehrt frei nach Gefühl zu laufen: von der Route abzuweichen, den weniger belaufenen Pfad einschlagen, manchmal vielleicht sogar querfeldein zu laufen. Auf diese Weise entdecken Sie mehr von der Natur, mehr von der Gegend und erstaunlicherweise auch mehr von sich selbst. (km) // Fotos: km

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