72 Stunden – Die Sozialaktion des BDKJ in Deutschland

Die Pfadfinger vom Stamm St. Paul und das „grüne Klassenzimmer“ in Großauheim

„Was nützt es, wenn einer sagt, er habe den Glauben, aber es fehlen die Werke?“ – Jakobus 2,14. Was man hier in der Bibel liest, ist ein wichtiger Bestandteil des christlichen Glaubens: Geprägt von den Aspekten der Gottes- und Nächstenliebe, geht es im Christentum immer um konkrete Menschen. So war auch Jesus in Gemeinschaft mit seinen Jüngern unterwegs zu denen, die isoliert und ausgegrenzt auf Hilfe angewiesen waren. Doch wie ist es heutzutage? Ist der Glauben noch lebendig durch Taten? Diese Frage beantwortete der „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ (BDKJ) bereits im Jahr 2001: Inspiriert durch Jesu Handeln entschloss sich der BDKJ eine Aktion ins Leben zu rufen, bei der alle teilnehmenden Aktionsgruppen innerhalb von 72 Stunden eine gemeinnützige, ökologische, interkulturelle oder politische Aufgabe lösen sollen. Das Hauptziel dieser alle 4 Jahre stattfindenden, dreitägigen Sozialaktion ist es Projekte für Menschen am Rand der Gesellschaft zu verwirklichen: Hier geht es darum Solidarität zu leben und dem Glauben Taten folgen zu lassen. Durch die Teilnahme an dieser Aktion geben alle Helfer und Helferinnen ein sichtbares und vor allem lang verbleibendes Zeichen ihres Glaubens an den Wert der Solidarität. Im Rahmen der diesjährigen „72-Stunden“ vom 13. bis 16. Juni entschloss sich auch der Pfadfinderstamm St. Paul aus Großauheim etwas beizutragen. Ihr Projekt: Auf dem Schulgelände der Eichendorffschule in Großauheim ein „grünes Klassenzimmer“ zu bauen, damit der Unterricht auch in einem passenden Rahmen im Freien stattfinden kann. Stellvertretend für den Pfadfinderstamm spricht Kassenwart und Stammesfotograf Francesco Soravia über das Projekt.

Herr Soravia, wie sind Sie als Pfadfindergruppe zu dem Projekt gekommen?
Wir sind dieses Jahr zum ersten Mal bei der 72-Stunden Aktion dabei. Es erschien uns eine gute Gelegenheit mit dem ganzen Stamm, also den Erwachsenen und Kindern, einen sinnvollen, sozialen Beitrag in Großauheim leisten zu können. Natürlich waren wir uns auch sicher, dass ein solches Projekt die Kinder und Jugendlichen in unserem Stamm enger zusammenschweißen würde. Das Projekt als solches, also „Das grüne Klassenzimmer“, war allerdings geheim und wurde erst kurz vor dem Aktionsbeginn an uns übermittelt. Wir ließen uns also überraschen.

Wie dürfen sich unsere Leser einen typischen Arbeitstag vorstellen?
Die gesamte Aktion hat bereits am Donnerstagabend angefangen, doch nach der kurzen Planung ging die eigentliche Arbeit erst am Freitag los. Die Kinder haben sogar für die Aktion schulfrei bekommen. Um 8:00 Uhr morgens ging es los. Während die „fähigen“ Männer direkt am grünen Klassenzimmer mit Bagger und Schweiß arbeiteten, widmeten sich die Kinder kleineren Nebenprojekten, wie Nistkästen oder Insektenhotels. Natürlich wäre die ganze Aktion ohne unsere großzügigen Sponsoren nicht möglich gewesen. Auch hilfsbereite Eltern haben sich bereiterklärt, uns zu unterstützen indem zum Beispiel für uns gekocht wurde.

Sind Sie nach getaner Arbeit zufrieden mit dem Ergebnis?
Am Samstag hatten wir einen sehr langen Arbeitstag. Von 8:00 Uhr morgens bis 1:30 Uhr nachts bastelten wir an dem „grünen Klassenzimmer“ und es war wirklich spannend, ob wir bis Sonntagnachmittag die Aufgabe tatsächlich bewältigen können. Umso befriedigender war natürlich, dass wir es geschafft haben und es auch am Ende sehr schön aussah. Und das sahen nicht nur wir so: In einer kleinen Rede dankte uns am Sonntag auch der Schulleiter für unseren Einsatz, der sichtlich begeistert war. Generell ist es selbstverständlich, dass es bei solchen Teamaktionen, insbesondere wenn man fast 17h am Tag auf der Baustelle ist, auch mal zu Unstimmigkeiten bzw. starker Müdigkeit kommen kann. Doch nachdem wir das endgültige Resultat vor uns gesehen haben, freuen wir uns schon auf neue Herausforderungen. Das Bauen des „grünen Klassenzimmers“ forderte sichtlich alle Teilnehmer: Versteckte Talente wurden entdeckt, Verantwortung übernommen und vielleicht sogar neue Fähigkeiten entwickelt. Und ganz nebenbei vermittelte man bereits den jüngsten Teilnehmern soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Selbständigkeit sowie Kommunikationsfähigkeit. Nicht nur unsere Redaktion sondern auch unsere ganze Region ist stolz auf die zahlreichen Helfer und Teilnehmer sowie die erfolgreiche Umsetzung der Projekte: Es ist schön zu sehen, dass die jungen Generationen dem Glauben auch Taten folgen lassen. Euch alle schickt der Himmel! (km) // Fotos: © Francesco Soravia

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Bereits am ersten Arbeitstag wurden die aus Steinen bestehenden Sitze sowie das aus einem großen Baumstamm bestehende Pult fertiggestellt. Der Fokus der darauf folgenden Arbeit lag auf dem trittfesten Boden sowie der Bepflanzung des Klassenzimmers.

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Von den kleineren, aber ebenso wichtigen Helfern wurden Vogelkästen und Insektenhäuser gebaut, welche auf die Bäume rund um das grüne Klassenzimmer angebracht wurden.

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Die Abschlussfeier der diesjährigen 72-Stunden Aktion in Großauheim wurde in dem bereits fertiggestellten Klassenzimmer gehalten: Einige Dankesreden sowie ein leckeres Buffet rundeten den letzten Arbeitstag ab.

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