Interview mit Peter Freudenberger: „In jedem Stadtteil ein Mord“

Bild

Herr Freudenberger, „Stiller und der Gartenzwerg“ ist Ihr dritter Kriminalroman. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Vor allem aus der Region sowie dem aktuellen Zeitgeschehen. So beruht mein erstes Buch „Stiller und die Tote im Bus“ auf einem wirklichen Kriminalfall, dem so genannten Mamba-Mord, der sich 1983 in Aschaffenburg ereignet hat und mit dem ich als junger Journalist beschäftigt war. Der zweite Roman „Stiller und die Finsternis“ spielt auf die damals sehr bekannten Fälle Kampusch und Fritzl an. Meinen dritten Roman „Stiller und der Gartenzwerg“ habe ich bewusst heiter und humorvoll gehalten. Trotzdem hat er einen ernsten aktuellen Hintergrund, die Bodenspekulation durch Umwandlung von Kasernen und Bahnflächen in Bauland.

Hat die Figur des Journalisten Paul Stiller autobiographische Züge? Sind Sie Paul Stiller?
Auf die Frage habe ich schon gewartet. Ich bin selbst Journalist und konnte, indem ich die Hauptfigur des Romans als Journalist mit ähnlichen Lebensumständen wie die meinen ausgestattet habe, auf meinen eigenen Erfahrungsschatz zurückgreifen und mich in die Hauptfigur gut hineinversetzen. Aber ich bin nicht Paul Stiller.

Der Oberbürgermeister in Ihrem Roman heißt Nikolaus Fürst. Das hört sich fast an wie Klaus Herzog. Gibt es da wohl eine Ähnlichkeit?
Ja, hier habe ich mir erlaubt, eine Person des wahren Lebens in meinen Roman einzubauen. Fürst ist aber die einzige Person im Roman bei der dies der Fall ist. Ansonsten mag ich es nicht, wenn in Regionalromanen ständig reale Personen auftauchen, bei denen nur die Namen verdreht sind. Solche Anspielungen verstehen dann nur Leser aus der Region.

Sie wohnen in Aschaffenburg-Nilkheim, der eine Mord im Roman findet auch in Nilkheim statt. Ist es von Vorteil, über die vertraute Umgebung zu schreiben?
Meine vertraute Umgebung ist nicht nur Nilkheim, sondern ganz Aschaffenburg. Ich möchte in jedem Stadtteil einen fiktiven Mord geschehen lassen.

Die Tatwaffe ist ein Gartenzwerg. Mögen Sie eigentlich Gartenzwerge, haben Sie welche im eigenen Garten?
Ja, meine Frau hat mir einen Gartenzwerg getöpfert. Ich habe nichts gegen Gartenzwerge, habe aber sonst keine im Garten. Mir ging es um die Ironie: Der Gartenzwerg steht für Harmonie und Idylle. Ausgerechnet dieser wird im Roman zur tödlichen Waffe.

Bleiben Sie dem Kriminalroman treu und planen Sie bereits Ihren vierten Krimi? Oder wollen Sie das Genre wechseln?
Ich arbeite schon am vierten Krimi mit Stiller als Hauptperson. Er wird wieder im Emons-Verlag erscheinen. Außerdem schreibe ich Kurzkrimis für den ars-vivendi- Verlag in der Reihe „Tatort Franken“.

Was sagt Ihre Frau dazu, dass Sie oft am Schreibtisch sitzen und dichten?
Sie unterstützt mich sehr, obwohl das Romanschreiben manchmal ganze Wochenenden in Anspruch nimmt. Sie malt, was auch sehr zeitaufwendig ist. So ergänzen wir uns und jeder geht seinem Hobby nach.

(Interview: Christiane Schmidt-Rüppel)

Kommentare sind geschlossen