Wolfang (Felix) Magath: Immer nur Fußball gespielt

Ein Porträt von Aschaffenburgs größtem Fußballspieler und einem der erfolgreichsten Trainer der Bundesliga

Als Jugendlicher hat er mit seiner Mutter im Röderweg in der Nähe der Würzburger Straße gewohnt. Bescheidene Verhältnisse, sozialer Wohnungsbau, aber auch Zusammenhalt und eine intakte Nachbarschaft. Fast alle, die hier aufwuchsen, berichten über eine glückliche Kindheit. Mittendrin zwischen den Wohnblocks, da haben die Kinder und Jugendlichen immer nachmittags Fußball gespielt. So wie es früher in den sechziger Jahren, als es noch keine X-Box und kein Internet gab, üblich war. Und er war meistens dabei, hat immer nur Fußball gespielt. Wolfgang Felix Magath, der damals allen als „Wolfgang“ oder unter seinem Spitznamen „Maggi“ bekannt war. Im Interview mit dem Magazin Gala sagte Magath: „Meine Mutter musste arbeiten, um uns ernähren zu können. Dadurch war ich oft allein. Ich musste früh lernen, ohne jemanden zurechtzukommen.“ Der Vater, ein US-Besatzungssoldat, hatte die Mutter verlassen als Felix Magath noch ein Baby war und war zurück nach Puerto Rico gegangen. So wuchs Magath, wie er selbst sagt, als „Einzelkind“ auf. Und wie Magath gegenüber der Gala erläutert: „Weil ich ständig allein war, habe ich die Schule nie so richtig ernst genommen. Manchmal habe ich geschwänzt, und statt Hausaufgaben zu erledigen, bin ich lieber kicken gegangen. Zum Glück möchte man meinen, denn sonst wäre aus Magath wohl nie so ein einmaliger Fußballspieler geworden. Hier bei uns, auf den Straßen Aschebergs, da hat Felix Magath Fußball spielen gelernt und den Grundstein gelegt für eine einmalige Weltkarriere als Spieler – und später als Trainer: Als Nationalspieler Europameister 1980 sowie Vize-Weltmeister 1982 und 1986, als Vereinsspieler mit dem HSV mehrfacher Deutscher Meister (1979, 1982 und 1983) und Finaltorschütze beim Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1983 und beim Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1977. Viel mehr geht als Fußballspieler kaum. So haben zum Beispiel die Schweinis, Poldis und Philipp Lahms dieser Welt mit der deutschen Nationalmannschaft noch keinen Titel geholt.

Nur 17.500 Mark Ablöse
Was die älteren Sportinteressierten noch wissen: Mit dem jungen Felix Magath wurde die Viktoria in der Saison 1973/1974 mit sieben Punkten Vorsprung Meister der Oberliga Hessen. Das hatte damals vor der Saison niemand erwartet, und weil die Viktoria mit Wolfgang Magath so gut war, strömten die Leute an den Schönbusch. Gerne hätte die Viktoria damals den Ausnahmefußballer Wolfgang Felix Magath natürlich behalten, doch war ein Aufstieg der Viktoria aufgrund der Einführung der 2. Bundesliga in diesem Jahr nicht möglich. Und ein Top-Spieler wie Magath musste natürlich in den bezahlten Fußball wechseln. Schließlich ging Magath, wie in dem Buch „100 Jahre S.V. Viktoria 01 e.V. Aschaffenburg“ ausführlich beschrieben, im August 1974 als Fußballprofi zum 1. FC Saarbrücken in die 2. Bundesliga. Dafür musste Saarbrücken eine Ablöseentschädigung von 17.500 D-Mark zahlen, wovon 6.500 DMark an Viktoria Aschaffenburg (24 Monate Spielzeit von 1972 bis 1974) und 11.000 DMark an TV 1860 Aschaffenburg (36 Monate Spielzeit bei TVA von 1669 bis 1972) gingen. Das war, insbesondere aus heutiger Sicht, nicht viel Geld für den späteren Nationalspieler, der seine Fußballer-Karriere übrigens als kleiner Bub in Nilkheim 1960 beim VfR begonnen hatte. In Saarbrücken war dann bereits abzusehen, dass aus Felix Magath ein ganz Großer werden kann. Er trainierte fleißig und diszipliniert, war lauffreudig und erzielte in 76 Spielen 29 Tore. Schon damals berichtete die Sportschau öfters über den Fußballer aus Aschaffenburg und seine große Klasse. Kein Wunder, dass Magath dann 1976 in die 1. Bundesliga zum Hamburger SV wechselte, der damals noch ein Top-Verein wie heute Bayern München oder Borussia Dortmund war. Wie Uwe Seeler zählt Felix Magath inzwischen zu den Spieler-Legenden des HSV. Daher hat der HSV Magaths 60. Geburtstag am 26. Juli 2013 auch eigens mit einer Pressemitteilung gewürdigt. Beim HSV spielte Felix Magath zehn Jahre bis er 1986 seine Spieler-Karriere beendete. In 306 Bundesligaspielen erzielte der technisch versierte Mittelfeldspieler 46 Tore. Mit dem HSV wurde Magath dreimal Deutscher Meister (1979, 1982 und 1983) sowie dreimal Vize-Meister (1980, 1981 und 1984). Und im Finale des Europapokals des Pokalsiegers erzielte Felix Magath 1977 gegen den RSC Anderlecht in der 90. Minute das alles entscheidende 2:0.

Schütze des entscheidenden Tors 1983
Athen, 25. Mai 1983. An diesem Abend wurde Felix Magath zumindest für die HSVFans unsterblich. Denn im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister gegen Juventus Turin, dem großen Favoriten, erzielt Magath für den HSV (Trainer war übrigens Ernst Happel) in der achten Minute das 1:0, das sich als Siegtor erwies. Auch in Turin sprechen sie seitdem mit Hochachtung von Felix Magath. Und die HSVFans schwelgen beim Namen Magath – wie bei Uwe Seeler – in Erinnerungen an frühere glorreiche Zeiten. Nach seiner aktiven Karriere war der Ascheberger Bub, der sich neben Fußball auch für Schach, Kriminalliteratur, Laufen und Tee interessiert sowie verschiedene Hilfsorganisationen unterstützt, zunächst als Manager und dann mit großem Erfolg als Trainer tätig. Dabei legte er stets Wert darauf, dass seine Spieler körperlich topfi t sind. Seine Trainingsmethoden wurden teilweise als zu hart kritisiert, doch Felix Magath ist der Meinung, dass für gut bezahlte Bundesligaprofi s körperliche Fitness eine Grundvoraussetzung darstellt. Aufgrund seiner Trainingsmethoden wurde Felix Magath auch schon einmal als „Quälix“ bezeichnet. Und Eintracht-Spieler Jan Age Fjortoft hat über Magath gesagt: „Ob Felix Magath die Titanic gerettet hätte, weiß ich nicht. Aber die Überlebenden wären topfit gewesen.“ Doch die großen Erfolge Magaths zeigen, dass seine Trainingsmethoden sinnvoll sind.

Einziger Trainer mit zwei Doubles in Folge
Von 1992 bis 2012 war Felix Magath als Trainer tätig und war dabei wie als Spieler außergewöhnlich erfolgreich. So gelang es ihm mehrfach, für am Tabellenende stehende Mannschaften den Klassenerhalt zu retten, wie mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2000. Ein Team, das er erst in der laufenden Saison mit klarem Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz übernommen hatte. Doch auch bei Top-Teams war Magath sehr erfolgreich. Mit Stuttgart wurde er im Jahr 2003 Vizemeister. Und mit Bayern München gewann er im Jahr 2005 und im Jahr 2006 nicht allein die Deutsche Meisterschaft, sondern auch den DFB-Pokal. Zwei Doubles in Folge, das hat in Deutschland noch kein anderer Trainer geschafft. Und, wir Ascheberger können ja zählen: Felix Magath gewann mit vier Titeln in gut zwei Jahren einen Titel mehr als zuletzt Jupp Heynckes mit den Bayern in zwei Jahren. Als die Bayern in seiner dritten Saison als Trainer schlecht gestartet sind, hat der Verein Magath sehr schnell beurlaubt. Doch Felix Magath hat es den Bayern gezeigt: Als Trainer vom VfL Wolfsburg schlug er mit den „Wölfen“ Bayern München nicht nur deutlich Niederlage, Magath wurde mit Wolfsburg 2009 auch Deutscher Meister. Und ließ sich vom Bayerischen Rundfunk noch dazu vor dem entscheidenden Spiel auf dem Münchner Rathausbalkon, wo die Bayern sonst ihre Meisterschaft feiern, interviewen. Einen feinen Humor hat er schon, unser Felix Magath! Nachträglich wünschen wir Aschebergs größtem Fußballer zum 60. Geburtstag noch alles Gute, Glück und Gesundheit. (wrü)

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