Notinsel – Wo wir sind, bist du sicher: Eine Initiative der Stiftung „Hänsel+Gretel“

Jeder kennt die kleinen, blauen Aufkleber auf den Türen vieler Geschäfte unserer Region. Ob es die örtliche Bäckerei, Metzgerei, der Schreibwarenladen oder die Apotheke ist: Die farbigen Aufkleber sind auf Kinderaugenhöhe meist an der Eingangstür oder im Schaufenster angebracht und sollen den Kleinsten unserer Gesellschaft klar machen, dass sie im Notfall hier einen Zufluchtsort finden. Auf der offiziellen Internetpräsenz der Notinsel-Initiative liest man, mit dem Projekt „Notinsel“ habe die Stiftung „Hänsel+Gretel“ eine Möglichkeit geschaffen, Kindern in Notsituationen Fluchtpunkte aufzuzeigen, in denen sie Hilfe bekommen. Auch wenn es von der Theorie eine lobenswerte Idee ist, stellt man sich die Frage, ob diese in der Praxis ebenso funktioniert. Kinder sollten in Not nicht nur nach einem Aufkleber an einem Geschäft suchen; Hilfe sollte nicht an einem einzelnen Punkt festgemacht werden. „Ein Kind, das in Not ist, kann nicht nach einem Logo suchen, es braucht Hilfe – sofort“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Essener Kinderschutzbundes Ulrich Spie im Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Mit dem Hinweis, dass jeder Erwachsene im Notfall die moralische Verpflichtung habe einzugreifen und zu helfen, erklärt Spie unsere kollektive Verantwortung: „Wir brauchen nicht ein paar wohlmeinende Geschäftsleute, sondern eine Verantwortungsgemeinschaft aller Bürger.“ Doch auch wenn man denkt, die Aufkleber seien in der Praxis überflüssig, muss man die Initiative auch aus der anderen Perspektive sehen: Ladenbesitzer und Geschäftsführer werden durch die Initiative auf einen weiteren Aspekt ihrer Öffentlichkeit aufmerksam. Ihr Bewusstsein für Notfälle, ihre Verantwortung und Hilfsbereitschaft wird gestärkt. So liest man auf der Webseite www.notinsel.de, dass jedes teilnehmende Geschäft nicht nur die wichtigsten, regionalen Notrufnummern sondern auch eine handlungsanweisende Schulung der Mitarbeiter erhält: So weiß im Idealfall jeder Mitarbeiter, was notfalls zu tun sei. Die Initiative gab Auskunft, dass in unserem Landkreis Aschaffenburg bei 422 befragten Notinselgeschäften insgesamt 52 Hilfesuchenden durch aktives Handeln seitens der Verkäufer oder Ladenbesitzer geholfen werden konnte. Es konnte verletzten Kindern aber auch älteren Menschen mit gesundheitlichen Problemen geholfen werden, eskalierende Schülerstreitigkeiten sowie eine Handgreiflichkeit wurden beruhigt. Vor allem die Kinder sagten, sie haben sich so verhalten, wie ihre Eltern es ihnen beigebracht haben: Sie haben die Hilfe eines Erwachsenen gesucht. Welche Rolle hierbei der Notinsel-Aufkleber hatte, kann man nicht direkt feststellen. Allerdings wird sofort klar, dass der Aufkleber ein wichtiges Zeichen für Kinder und ein Symbol für ein großes, bürgerliches Engagement ist. Ob es nun in der Praxis wirklich hilft, ist die unbeantwortete Frage; allerdings stärkt es zweifellos das Bewusstsein für verantwortungsvollen Zusammenhalt innerhalb unserer Gesellschaft. Durch die erklärende Hilfe von Erwachsenen macht er Kindern überhaupt klar, dass sie in Notfällen die Aufmerksamkeit auf sich lenken sollen und dass Erwachsene das sehen und helfen können. Es macht Kindern bewusst, dass sie überall Hilfe suchen können; Erwachsenen hingegen verdeutlicht die Initiative welche Rolle sie gegenüber den kleinsten Mitgliedern unserer Gesellschaft haben. (km)

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