Das Schloss Aschaffenburg feiert 2014 seinen 400-sten Geburtstag

Es thront über dem Main als Mittelpunkt der Stadt – Bedeutendstes Renaissanceschloss Deutschlands

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Manchmal erlebt man auch als alter Ascheberger Überraschungen. Dass unser Schloss, das mitten im Mainknie gelegen über Fluss und Stadt thront, als schönstes und bedeutendstes Renaissanceschloss Deutschlands gilt, das ist uns eh‘ klar. Viele von uns sehen ja jeden Tag diesen prächtigen Bau, der abends auch illuminiert wird. Als aber Freunde aus Karlstadt von einem Schlossbesuch an einem Regentag berichteten und von der tollen Korkmodellsammlung im Schlossmuseum schwärmten, da waren wir schon überrascht. Ja klar, im Schlossmuseum gibt es auch die weltweitgrößte Sammlung von aus Kork angefertigten Architekturmodellen zu sehen. Noch ein Grund, warum sich ein Besuch Aschaffenburgs, seines Schlosses und des Schlossmuseums lohnt. Und 2014 feiert das Wahrzeichen der Stadt seinen 400-sten Geburtstag. Denn 1614, vor 400 Jahren, wurde das Schloss Johannisburg inklusive Schlosskapelle eingeweiht. Zur Feier des einmaligen Bauwerks wird es ein umfangreiches Jubiläumsprogramm geben. Zum Beispiel findet am 2., 3. und 4. April eine Lichtinszenierung des Schlosses statt. Und vom 10. Mai bis 7. September 2014 zeigt uns die Sonderausstellung „Wunderkind – Der Bildhauer Hans Juncker“ Meisterwerke der Renaissance im Aschaffenburger Schloss (unter Einbeziehung der Schlosskapelle). Dabei soll auch im Schlosshof eine Steinmetzhütte aufgebaut werden. Aber auch ohne Jubiläumsveranstaltung ist es immer wieder schön, sonntags am Schloss spazieren zu gehen, die Sonne zu genießen und auf den Main zu schauen.

Zweitresidenz der Mainzer Bischöfe
Doch wie kommt solch ein prächtiger und imposanter Bau wie das Schloss nach Aschaffenburg? Ein Schloss, das die Stadt – zumindest früher – mit seiner Größe und Ausstrahlung positiv dominiert hat und noch dominiert. Schuld sind die Mainzer Fürstbischöfe, die, anders als heutige Bischöfe wie zum Beispiel der Limburger Kirchenfürst Tebartz van Elst, zugleich geistliche wie auch weltliche Herrscher waren. Übersetzt für die jungen Leute: Die Bischöfe waren auch Staatschefs und hatten allenthalben das Sagen, Demokratie gab es damals nicht. Aschaffenburg war Zweit- und Sommerresidenz der Mainzer Fürstbischöfe. Als Zentrum war Aschaffenburg für die Mainzer wichtig, lag doch ein Gutteil ihres Herrschaftsgebiets im angrenzenden Spessart. Das Mainzer Rad zeugt noch heute vielfach davon. In ihrer Residenzstadt Aschaffenburg hatten die Mainzer Fürstbischöfe eine Burganlage errichtet, die sukzessive ausgebaut wurde, so berichtet der lesenswerte amtliche Führer über das Schloss Aschaffenburg, der von der Bayerischen Schlösserverwaltung herausgegeben wird. So wurde zum Beispiel 1337 mit dem Bau des gotischen Bergfrieds begonnen, der dann später in das 1614 vollendete neue Schloss integriert wurde und somit noch heute, insbesondere im Schlosshof, zu sehen ist. Die alte Burg wurde 1552 im so genannten Markgräflerkrieg geplündert und weitgehend zerstört. Da liegt es für einen Kurfürsten natürlich nahe, eine neue Burg bzw. neues Schloss bauen zu lassen.

Baumeister Ridinger
So beschloss der neue Mainzer Erzbischof Johann Schweikart von Kronberg (1604-1626) praktisch mit seinem Amtsantritt 1604, den Bau des Schlosses in Aschaffenburg. Baumeister des Schlosses war der aus Straßburg stammende Georg Ridinger (er lebte von 1568 bis 1616). Vor dem Bau des Schlosses war Ridinger ein eher unbekannter Baumeister, durch sein „Meisterwerk“ Aschaffenburger Schloss, das auch Ridinger-Schloss genannt wird, wurde er bekannt, doch starb er bereits kurz nach Fertigstellung des Schlosses, so dass er keinen weiteren solchen Bau errichten konnte. 1605 begann Ridinger mit dem Bau der am Mainufer gelegenen mächtigen Wappenmauer, an der heute der Mainparkplatz liegt. Danach gelang es rasch, das Schloss zu errichten (1608 Kellergeschoss, 1610 Erdgeschoss fertig gestellt). Schließlich fand am 17. Februar 1614, just am 10. Jahrestag der Wahl Johann Schweikarts von Kronberg zum Fürstbischof, die Einweihung des neuen Schlosses statt. Jetzt könnte man noch vieles über die Besonderheiten des Schlosses wie die streng symmetrische Vierflügelanlage sowie den tollen Innenhof (das weiß jeder, der dort einmal eine Veranstaltung erlebt hat) schreiben. Aber, liebe Leserinnen und Leser, schauen Sie sich unser Geburtstagskind doch wieder einmal selbst genau an, oder lesen Sie den ausführlichen amtlichen Führer!

Erbaut mit Buntsandstein
Diejenigen, die das Aschaffenburger Schloss gesehen haben, schwärmen von ihm, und das in allen Jahrhunderten. Besonders beeindruckt der als Baumaterial verwendete heimische Buntsandstein, der mit Main und Sonne eine einmalige Symbiose eingeht. So schreibt Erwin Hensler im Jahre 1907:

„Die Schloßanlage in Aschaffenburg besticht durch die Schönheit ihres Aufbaus wie durch ihre Massenwirkung und gewährt durch den malerischen Gegensatz zwischen der Tönung des zur Verwendung gekommenen rothen Mainsandsteins und der umgebenden Landschaft ein ebenso imposantes als anziehendes Architekturbild.“

Nur warum heißt unser Schloss eigentlich Johannisburg? Seit 1285 ist der heilige Johannes der Täufer als Schutzpatron der Aschaffenburger Burg belegt. Hinzu kommt, dass Fürstbischof von Kronberg, der das Schloss bauen ließ, Johann Schweikart hieß. Somit hat der Name eine doppelte Bedeutung: Johannes und Johann stecken hinter dem Namen Johannisburg. 400 Jahre Schloss, das ist ein guter Grund, um zu feiern und die zahlreichen Veranstaltungen zum Jubiläum zu genießen. Und am Main entlang und im Schlossgarten zu schlendern und am wärmsten Fleck Bayerns auf unseren Prachtbau zu schauen. Und eins haben wir uns jetzt auch fest für einen Regensonntag vorgenommen: Ein Besuch im Schlossmuseum mit der tollen Korkmodellsammlung! (wrü)

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