Linkin Park – The Hunting Party

Endlich bringt die Truppe um Gitarrist Mike Shinoda sowie Sänger Chester Bennington die Musik, welche sich so viele Linkin-Park-Fans erster Stunde zurückgewünscht haben: Rücksichtslos, vielseitig, hart und – auch wenn es nur stellenweise ist – verdammt authentisch. „The Hunting Party“ ist kein Meilenstein der Musikgeschichte, allerdings ein heftiger Schritt in die richtige Richtung.

BildDas Debütalbum der US-amerikanischen Crossover-Band Linkin Park ist ein grandioses Album. Obwohl es in einer Zeit veröffentlicht wurde, in dem sich beinahe jede Band mehr schlecht als recht daran versuchte Rap und Metal zu verbinden, ist „Hybrid Theory“ die perfekte Symbiose aus beiden Musikgenres. Das herausragend zeitlose Album wird von Millionen Fans gefeiert und von Kritikern geliebt. Die Musik strotzt vor Emotionen, Härte und vor allem Authentizität. Doch leider verschwanden die entwaffnende Härte und die überzeugende Authentizität in den letzten Jahren aus der Musik von Linkin Park. Mittlerweile kriegt man das Gefühl nicht los, die Band sei ziel- und orientierungslos im Radio-Mainstream verloren und versuche vergeblich die Qualität von „Hybrid Theory“ zu erreichen. Ironischerweise sprach der Gitarrist und Rapper Mike Shinoda in einem der jüngsten Interviews davon, er glaube nicht an die Musik auf den letzten Alben. Im September 2013 kritisierte Shinoda die aktuelle Rockmusik auf Grund ihrer „Verweichlichung“. Mit der Mission, jene Musik zu machen, die er momentan auf dem Markt vermisse, entstand das neuste Album „The Hunting Party“. Und tatsächlich ist das Album lauter, härter und aggressiver als die letzten von elektronischen Dance-Elementen beeinflussten Alben wie z.B. „A Thousand Suns“ (2010) sowie „Living Things“ (2012). Eingefleischte Fans der ersten Stunde vergleichen das neuste Werk „The Hunting Party“ mit dem Debütalbum der Band und sehen darin eine Weiterentwicklung in die richtige Richtung. Der kreative Motor der Band Mike Shinoda verglich den Zustand der aktuellen Rockmusik entfernt mit dem Phänomen des Soshoku Danshi in der japanischen Kultur: Soshoku Danshi ist ein Rollenbild eines sich vegetarisch ernährenden Mannes, der in seiner zielstrebigen und ehrgeizigen Karriere seine animalische Seite leugnet und somit kraftlos wird. So habe die heutige Rockmusik ihre treibende Kraft verloren und sei nur ein Schatten ihrer Selbst, so Shinoda. „The Hunting Party“ soll diesem Kräftezerfall entgegensteuern. Der Albumtitel und die für August 2014 geplante Carnivores-Tour (engl. für „Fleischfresser-Tour“) verweisen darauf hin. Und tatsächlich: Das Album hat Kraft. Es ist hart, roh und unangepasst. Trotz einiger elektrischer Elemente klingt das Album nicht kalt und überproduziert. Songs wie „War“, „Wastelands“ sowie „Rebellion“ verprügeln das eingeschlafene Radio-Image von Linkin Park mit harten Drums und furiosen Gitarrenriffs. Besonders Sänger Chester Bennington gibt den Songs mit seinen genialen Scream-Passagen den letzten Schliff. Die beinahe animalischen Schreie geben dem Album den nötigen Kick. Die Tatsache das Bennington das Schreien teil der Melodie werden lässt, ist herausragend und wird seit Jahren von vielen Sängern versucht zu kopieren. Auch wenn „The Hunting Party“ die Musikwelt nicht auf den Kopf stellen wird, ist es endlich ein echtes Lebenszeichen von Linkin Park. Es wirkt wie das Erwachen nach einem langen Winterschlaf; und um die Metapher des kraftlosen Vegetariers aufzugreifen, wirkt es wie eine blutige Jagd nach Fleisch. Auch wenn sich Linkin Park von der obligatorischen Radioballade („Guilty All The Same“ sowie „Until It’s Gone“) nicht trennen können und der Gesamtvergleich zu dem legendären Debütalbum „Hybrid Theory“ etwas weit gegriffen ist, strotz „The Hunting Party“ überraschend vor Leben: Im Großen und Ganzen klingt es endlich nach dem Linkin Park, welches so viele Menschen berührte. (km) // Foto: © Warner Music Group Germany Holding GmbH

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