Winterdepressionen – Symptome, Ursachen und vorbeugende Tipps

Der Sommer ist schon lange vorbei, da müssen wir uns nichts vormachen. Beim täglichen Spaziergang mit dem Hund entdeckt man zudem auch immer mehr herbstliche Farben in der Natur. Der Herbst und sein oft ungeliebter, größerer Bruder Winter schleichen sich langsam an uns heran: Trüb, nasskalt, sonnenarm und für viele bedrückend. Denn zusammen mit den niedrigen Temperaturen und der Sonnenarmut kehrt bei vielen Menschen aus unserer Region die Winterdepression ein.

Die häufigsten Symptome
Die Winterdepression oder saisonal-affektive Störung wurden bereits in der Antike von den griechischen Ärzten Hippokrates (460 – 375 v. Chr) und Aretaios (81 – 138 n. Chr) beschrieben. Beobachtet wurde hier die jahreszeitlich abhängige Veränderung von Stimmung, Antrieb und sogar physiologischen Parametern wie einigen Organfunktionen. So sind neben der bedrückten Stimmung und einer Reduzierung des körperlichen Energie- und Leistungsniveaus, hauptsächlich eine Verlängerung der Schlafdauer sowie ein verstärkter Appetit und die dadurch resultierende Gewichtszunahme typische Anzeichen der körperlichen Winterdepression. Im Endeffekt kann man laienhaft sagen, wir verfallen in einen winterschlafähnlichen Zustand und packen uns noch die eine oder andere Fettreserve für den Winter auf die Rippen.

Die wahrscheinlichsten Ursachen
Als eine Ursache werden Störungen des biologischen Tagesrhythmus angenommen: Da die Helligkeit des Tages verkürzt ist, werden die Körperfunktionen ebenso schnell runtergefahren wie die Sonne am Himmel. Wer kennt es nämlich nicht: Man geht morgens aus dem Haus, es ist dunkel – man kommt nach einigen Stunden Arbeit wieder heim und es ist wieder dunkel. Die wenigen Sonnenstunden hatte man im Büro verpasst. In den Sommermonaten kann man das schöne Wetter noch nach Feierabend genießen, im Winter ist es ganz einfach zu schnell dunkel. Die Umstellung der Uhrzeit bringt hier auch nicht viel. Die fehlende Helligkeit hat große Auswirkung auf unser Gehirn: Hier befinden sich viele Serotonin produzierende Zellen, die über unsere innere Uhr gesteuert den Stoff ins Blut abgeben. Neben sehr vielen unterschiedlichen Funktionen zählt zu den bekanntesten Wirkungen von Serotonin der Einfluss auf die Stimmungslage: Ein erhöhter Serotoninspiegel im Gehirn führt zu Unruhe und Halluzinationen. Depressive Verstörungen lassen sich neurochemisch häufig auf einen Mangel an Serotonin oder seiner Vorstufe, der Aminosäure Tryptophan, zurückführen. Auch Angst und impulsive Aggressionen können auf einen Serotoninmangel zurückgeführt werden. Der Rhythmus oder die Menge der Serotonin-Abgabe kann zum Beispiel durch fehlende oder falsche äußere Zeitgeber gestört werden. Kurz zusammengefasst, bedeutet es, dass winterdepressive Menschen auf genügend Tageslicht achten müssen: Sport am frühen Morgen ist hier mehr als Gold wert. Und auch wenn aller Anfang schwer ist, werden sich Ihre Laune und Ihr körperliches Wohlbefinden bereits nach wenigen Tagen deutlich bessern.

Einige Wissenschaftler argumentieren zudem, dass die jahreszeitlichen Schwankungen evolutiv für unser Überleben eine wichtige Bedeutung hatten: Der menschliche Körper fuhr viele Funktionen auf ein Minimum herunter, um die wenigen, über den Sommer gesammelten Reserven und natürliche Ressourcen zu schonen. In der modernen, westlichen Gesellschaft haben wir nun zu jeder Jahreszeit alle gewünschten Ressourcen im Überfluss, unser Körper reagiert allerdings trotzdem auf den Jahreszeitwechsel strikt nach seiner „Programmierung“.

Der beste Tipp zur Vorbeugung
Tagesmüdigkeit, Appetit- und Gewichtszunahme, ängstlich-deprimierte Verstimmungen, vermehrte Irritierbarkeit, Libidoverlust sowie ein langer, aber nicht wirklich gesunder Schlaf und die daraus resultierenden Probleme im zwischenmenschlichen und beruflichen Bereich sind Grund genug um der Winterdepression den Kampf anzusagen. Aber wie? Natürlich kann und sollte man in besonders schweren Fällen der Winterdepression eine ärztliche, medikamentös begleitende Behandlung suchen. Der Durchschnittsleidende kann auch auf eigene Faust gegen seine Stimmungsschwankungen etwas unternehmen: Sport ist hier – wie so oft – das Wundermittel. Auch wenn der Gang ins Fitnessstudio bei der Ausschüttung von Glückshormonen hilft, sollten Sie im Winter auch vermehrt an der frischen Luft und am Besten in den frühen, noch hellen Morgenstunden trainieren. So gewinnen Sie nicht nur durch die positiven Aspekte der Bewegung, sondern hauptsächlich auch durch den hohen Anteil an Sonnenlicht oder allgemein Helligkeit. Durch die Bewegung werden im Gehirn Endorphine ausgesetzt, welche als Glückshormone für euphorische Stimmungen sorgen. Durch die hellen Morgenstunden gewinnt der Körper an Dopamin und Serotonin – beide Stoffe sind in Kombination mit den Endorphinen eine Explosion der guten Stimmung und sorgen für das seelische Gleichgewicht: Während Dopamin das körpereigene Belohnungssystem aktiviert und dabei für den typischen „Flow“ sorgt, der beim Sport nach einiger Zeit auftritt, wirkt Serotonin entspannend und beruhigend. So sorgen diese beiden Botenstoffe für Zufriedenheit und innere Gelassenheit. So gibt es einige Theorien wie Sie Ihrer Winterdepression vorbeugen und aus dem Weg gehen, allerdings ist die beste und schnellste Methode: Sport. Sie können selbstverständlich Alternativen ausprobieren und wohlmöglich werden diese Ihnen auch helfen, allerdings ist richtiger Sport unersetzlich und in seiner Wirkung unverwechselbar. Der Anfang ist immer schwer, dass wissen wir alle. Allerdings werden sich diese schmerzlichen Anfänge definitiv auszahlen. Keine Ausreden mehr; Bewegung. (km)

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