Fluorid in der Zahnpasta: Notwendigkeit oder Gefahr?

Seit Jahren enthalten Zahnpasten unterschiedliche Kräuter, Mineralien, Perlenextrakte, Zink und vieles mehr, das den Zahnschmelz sowie die Mundflora intakt halten soll. Aktuell bewirbt ein großer Zahnpasta-Hersteller sogar eine Pasta, die künstliches, flüssiges Zahnschmelz enthält, durch das Poren und Risse verschlossen werden sollen. Die meisten Zahnpasten enthalten neben den eben genannten Inhaltsstoffen ebenso Fluorid.

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Über Fluorid entstand allerdings aktuell ein großer Mythos. Im Internet sowie unterschiedlichen Magazinen kursieren viele Artikel, die Angst vor der Substanz verbreiten: Fluorid sei gefährlich für den Organismus und wird mit zahlreichen Leiden in Verbindung gebracht wie Arthritis, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und Nierenleiden. Zudem sei die Langzeitwirkung der Substanz nicht ausreichend geprüft worden, so Kritiker. Warnungen vor dem Spurenelement, das seit Jahren in unsere Zahnpasta zugesetzt wird, tauchten in den vergangenen Wochen in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter auf und beunruhigten die meisten Verbraucher. Wozu ist Fluorid in unserer Zahnpasta? Ist es notwendig oder gefährlich?

Mit Hilfe von Fluoriden wird – vereinfacht gesagt – die Härtung unsers Zahnschmelzes erreicht. Zudem lassen sich mit Fluorid-angereicherten Zahnpasten nachweislich bis zu 40 Prozent aller Kariesfälle verhindern. Dieser Nutzen sei „auf höchstem wissenschaftlichen Niveau untersucht“, so der Leiter des Lehrstuhls für Zahnerhaltung und Präventive Zahntechnik Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke. Erwähnenswert ist ebenso, dass selbst die Stiftung Warentest das Spurenelement als so bedeutend bewertet, dass „alle Zahnpasten ohne Fluorid in den Tests sofort durchfallen.“

Im Gegensatz ist auf dem Internetportal zentrum-der-gesundheit.de zu lesen, Fluoride seien „je nach Dosis giftig“. So ließt man weiter, dass sich bei sehr hohen Fluoridmengen sogenannte Knochenfluorose entwickeln könne: Die Knochen haben in diesem Fall eine so hohe Dichte, dass sie ihre naturgemäße Elastizität verlieren und somit immer brüchiger werden. „Es ist unbestritten, dass Fluoride in extremen Überdosen für den menschlichen Organismus schädlich sind“, so der Kosmetik-Hersteller Lavera in einem Interview mit der ARD-Sendung „plusminus“. Allerdings seien nur wenige Fluoridverbindungen in den meisten Zahnpasten enthalten, so eine weitere Aussage des Herstellers. Ein Erwachsener müsste regelmäßig und jahrelang komplette Tubeninhalte essen, um sich zu vergiften.

Zahnmediziner Hendrik Meyer-Lückel von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen sieht den Mythos um das Fluorid in unserer Zahnpasta kritisch, da viele Patienten in seinen Sprechstunden gerade wegen eines Fluoridmangels erhebliche Zahnprobleme hätten: „Aus der Sicht der Wissenschaft der Zahnerhaltung in Deutschland und auch weltweit sehen wir keinen Sinn darin, ohne Fluorid die Zähne zu putzen“, so Meyer-Lückel in einem Interview mit dem ARD.

Allerdings sprach Dr. John Doull in einer wissenschaftlichen Studie des National Research Council (NRC) seine Bedenken aus: „Als wir uns all die bereits durchgeführten Studien [zum Thema Fluorid] genauer anschauten, bemerkten wir schnell, dass viele Fragen unbeantwortet blieben und dass wir viel weniger gesicherte Informationen besitzen, als es dem Thema angemessen wäre […]“.

So bleibt im Fazit zu sagen, dass aktuell nur Kurzzeitstudien allerdings keine aussagekräftigen Langzeitstudien zu diesem Thema vorliegen. Fakt ist, dass Fluorid in hohen Mengen giftig und für den menschlichen Organismus gefährlich ist. In geringen Mengen erwies sich das Fluorid in der Zahnpasta als äußerst hilfreich in der Kariesbekämpfung und dem Zahnschmelzschutz. (km)

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