Alkohol, die unterschätzte Gefahr

Übermäßiger Konsum der legalen Droge Alkohol schadet massiv der Gesundheit
Einst war er der erfolgreichsten Torjäger der Welt, wurde mit Deutschland 1972 Europa- und 1974 Weltmeister sowie mit Bayern München etliche Male Deutscher Meister, Deutscher Pokalsieger und Europapokalsieger der Landesmeister sowie der Pokalsieger. Doch nach dem Ende seiner Karriere als Fußballspieler in den 80er Jahren begann Gerd Müller, der Bomber der Nation, zu trinken und verfiel mehr und mehr dem Alkohol. Er trank, bekam Probleme im Privatleben und seine Frau Uschi reichte gar die Scheidung ein. Zum Glück hatte Müller Freunde wie Uli Hoeneß, der ihn 1991 zu einer Entziehungskur überredete.

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Wussten Sie, dass Strohrum (zwischen 40 und 80 %) „nur“ auf Platz 5 in der Liste von alkoholischen Getränken mit dem höchsten Alkoholgehalt liegt?


Etwa 1,8 Millionen Alkoholabhängige
Der Konsum von Alkohol ist in Deutschland erlaubt und alkoholische Getränke sind überall erhältlich. In der Gesellschaft wird ein hoher Konsum von Alkoholika wie Bier oder Wein häufig nicht kritisch gesehen. Doch führt übermäßiger Alkoholkonsum zu immensen gesundheitliche Schäden bis hin zum Tod. Daher stellt die legale Droge Alkohol eine allgemein unterschätzte Gefahr dar. So stellt das Bundesministerium für Gesundheit fest: „9,5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol in riskanter Form. Etwa 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.“ Und nach Angaben des Statistischen Bundesamts verstarben im Jahr 2012 in Deutschland 14.551 Personen (10.992 Männer und 3.629 Frauen) an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums und damit viermal mehr Menschen als durch einen Verkehrsunfall (mit insgesamt 3.827 Personen). Die tatsächliche Zahl dürfte indes noch höher liegen. So sterben nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit in Deutschland mindestens 74.000 Menschen im Jahr an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs. In Deutschland wird zu viel Alkohol getrunken. In Deutschland nimmt jeder im Durchschnitt pro Jahrfast 10 Liter reinen Alkohol zu sich. „Das ist beinahe doppelt so viel wie die meisten anderen Europäer“, stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) fest. Diese Bundesbehörde stellt auf der Website www.kenn-dein-limit.de umfangreiche Informationen zum Thema Alkohol und Alkoholmissbrauch zur Verfügung. Dies geht hin bis zu Selbsttests mit denen jeder überprüfen kann, ob und inwieweit er suchgefährdet ist.

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Gefolgt auf Platz 4 mit „Absinth“ (85 %), Platz 3 mit „Absinth Hapsburg“ (89,8 %), Platz 2 mit „Alcool Puro“ (95 %) und schließlich auf Platz 1 mit „Prima-Sprit“ (96 %).


Bis zur Leberzirrhose
Ein zu hoher Alkoholkonsum kann auf lange Sicht bis zum Tod führen. Insgesamt schädigt auch derjenige, der kein einschlägiger Alkoholiker ist, sondern der gewohnheitsmäßig zu viel trinkt, seine Gesundheit und senkt seine Lebenserwartung deutlich. Laut BZgA stehe Krankheiten wie Bluthochdruck, Übergewicht (der so genannte Bierbauch – wer abnehmen will, sollte u.a. weniger oder keinen Alkohol trinken), Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut), Herzmuskel-Erkrankungen, Krebserkrankungen (insbesondere der Leber, in Mundhöhle, Rachenraum und Speiseröhre, des Enddarms und der weiblichen Brustdrüse), Pankreatis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) und Impotenz in Zusammenhang mit überhöhtem Alkoholkonsum. Hinzu kommen insbesondere Erkrankungen der Leber, ist doch dieses Organ für den Abbau von Alkohol verantwortlich und damit direkt betroffen, wenn jemand zu viel trinkt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt wörtlich: „Typische Folgen von Alkoholmissbrauch sind Verfettung und Verhärtung der Leber, was im Endstadium zur Leberzirrhose (Schrumpfleber) führt. Darüber hinaus schädigt zu viel Alkohol das Gehirn. Die Folgen sind Konzentrations- und Gedächtnisstörungen über Intelligenzminderung bis hin zum kompletten Zerfall aller geistigen Fähigkeiten. Angesichts der aufgezeigten gesundheitlichen Risiken durch zu viel Alkohol, sollten doch jeder einmal seinen Alkoholkonsum überprüfen.

Wie viel darf man oder frau trinken?
Doch wie viel darf man oder frau trinken, ohne Gesundheitsrisiken einzugehen? Einen allgemeingültigen Grenzwert gibt es dafür nicht. Männer können Alkohol besser als Frauen verarbeiten, auch das Gewicht spielt für die Alkoholkonzentration im Körper eine Rolle. Als Faustregel für risikoarmen Alkoholkonsum nennt die BZgA für Männer nicht mehr als zwei Standardgläser Alkohol am Tag und für Frauen nicht mehr als ein Standardglas Alkohol am Tag. Wobei man unter einem Standardglas ein kleines Glas Bier, ein Glas Wein oder ein Gläschen Schnaps versteht. Darüber hinaus sollten Männer und Frauen an mindestens zwei Tagen in der Woche völlig auf den Konsum von Alkohol verzichten.

Risiko Rausch
Ein besonderes Risiko stellt der Rausch, der übermäßige Konsum von Alkohol bei einer einzelnen Gelegenheit dar. Denn der Rausch, der beim Trinken von vier (Frauen bzw. fünf (Männer) und mehr alkoholischen Getränken bei einer Gelegenheit definiert wird, birgt überdurchschnittlich hohe gesundheitliche Risiken. Diese umfassen laut BZgA u.a. die Schädigung des Gehirns, die Neigung zu Alkoholunfällen im Verkehr oder am Arbeitsplatz, Aggression und Gewalt gegen andere (viele Gewalttäterstehen nach Angaben der Polizei unter Alkoholeinfluss), eine erhöhte Gefahr Opfer eines Verbrechens zu werden sowie die Risikobereitschaft zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Da Alkoholkonsum häufig zu mitunter sehr schweren Verkehrsunfällen führt, sollten Auto- oder Motorradfahrer gar keinen Alkohol trinken. Oder wie bei den Amerikanern heißt: „Don‘t drink and drive.“Bereits ab einer Konzentration von rund 0,2 Promille Alkohol im Blut nimmt die Fahrtüchtigkeit ab. Und schon ab 0,3 Promille kann Alkoholkonsum bei einem Unfall strafrechtlich geahndet werden. Ab 0,5 Promille liegt dann eine Ordnungswidrigkeit vor, die mit Geldbuße, Fahrverbot und Punkten geahndet wird. Für Fahranfänger in der zweijährigen Probezeit sowie für Personen unter 21 Jahren gilt in Deutschland seit 2007 ohnehin die Null-Promille-Grenze.

Kein Alkohol für Kinder
Zudem sollten Kinder und Minderjährige keinen Alkohol trinken. „Alkohol schädigt jeden Organismus und Minderjährige sind noch einmal besonderen Gefahren ausgesetzt“, erläutert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.. „Ihr geringes Körpergewicht führt schneller zur Vergiftung, ein noch nicht ausgereiftes Gehirn wird noch schneller durch Alkohol geschädigt.“ Eltern und andere Erwachsene haben dabei auch Vorbildfunktion. Sie sollten sich bei Familienfesten oder bei Feiern wie Weihnachten oder Silvester nicht betrinken.

In der Schwangerschaft und in der Stillzeit sollten Frauen unbedingt auf den Konsum von Alkohol verzichten. Denn bereits der Konsum von kleinen Mengen Alkohol kann die Entwicklung des Kindes erheblich gefährden. Die ist leider noch nicht allgemein bekannt. „56 Prozent der Bevölkerung wissen nicht, dass Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zu bleibenden Schäden beim Kind führen kann“, stellt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. fest. Daher werden in Deutschland jährlich mehr als 2.000 Neugeborene mit einem „Fetalen Alkoholsyndrom“ und mehr als 10.000 Neugeborene mit fetalen Alkoholeffekten geboren.

Auch wer Medikamente einnimmt oder wer krank ist, sollte keinen Alkohol trinken. Drauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung besonders hin. Denn zum einen gefährdet oder verlangsamt Alkohol den Genesungsprozess. Zum anderen vertragen sich viele Medikamente und Alkohol nicht. Teilweise wird die Wirkung von Medikamenten durch Alkohol auch gefährlich verstärkt. Wer trotz der Einnahme von Medikamenten Alkohol trinken möchte, sollte unbedingt mit seinem Arzt abklären, ob er überhaupt Alkohol trinken darf. Hier sollte in jedem Fall die Gesundheit an erster Stelle gehen.

Praktische Tipps
Um den persönlichen Alkoholkonsum einzuschränken, gibt es eine Reihe von praktischen Tipps. Dazu zählt, nicht bei großem Durst – gerade im Sommer – Alkohol zu trinken, sondern erst einmal zu Wasser oder Saft zu greifen. Darüber hinaus sollte man am Tag (und am Arbeitsplatz) möglichst keinen Alkohol trinken, sondern höchstens am Abend. Des Weiteren macht eine Beschränkung auf ein oder zwei alkoholische Getränken am Abend Sinn. Auch wer aus kleineren Gläsern trinkt, und nicht aus einem Maßkrug, konsumiert weniger. Zudem sollte man an bestimmten Wochentagen oder auch einmal in einem bestimmten Zeitraum (wie der Fastenzeit) keinen Alkohol trinken. Für denjenigen, der süchtig ist, gestaltet es sich in der Regel einfacher, gar keinen Alkohol mehr zu trinken als ab und zu ein Glas, das zu mehr anregen kann. Alles in allem birgt die „Volksdroge“ Alkohol massive Gesundheitsrisiken, die bis zum frühen Tod führen können. Wer die Gefahren des Alkohols erkennt und seinen Alkoholkonsum einschränkt oder gar nichts mehr trinkt, lebt einfach viel gesünder. Ein Vorbild stellt dabei Gerd Müller dar, der den Alkohol besiegt hat. Seit seiner Entziehungskur vor mehr als 20 Jahren trinkt der ehemalige Bomber der Nation keinen Tropfen mehr. (wrü)

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