Hypochondrie – Die Angst vor einer ernsthaften Erkrankung

Früher oder später, wenn man ein Wehwehchen hat, das irgendwie seltsam erscheint und beunruhigend wirkt, kriegt es jeder zu hören: „Ach, Du übertreibst doch schon wieder, Du alter Hypochonder!“ Meistens wird man von seinem Gegenüber, der mit dem Spruch nichts Böses im Schilde führt, nur etwas aufgezogen. Doch auf diese Weise wird der Begriff der Hypochondrie im alltäglichen Sprachgebrauch inflationär gebraucht und so wird diese psychische Störung bagatellisiert.

Bild

Hypochondrie ist eine psychische Störung, bei der die Betroffenen unter ausgeprägten Ängsten leiden, eine ernsthafte Erkrankung zu haben, ohne dass sich dafür ein angemessener, objektiver Befund finden lässt. Das Leiden selbst ist so alt wie das reflexive, selbstbeobachtende Denken des Menschen und wurde phasenweise nur als Symptom akzeptiert, ist aktuell aber von Fachkreisen auch als eigenständige Krankheit anerkannt. Im alltäglichen Leben wird Hypochondrie durch Außenstehende allerdings noch heute als Marotte oder seltsame Neigung wahrgenommen. Menschen, die tatsächlich unter Hypochondrie leiden, müssen sich allerdings in psychiatrische Behandlung begeben, da die Krankheit teilweise lebenszerstörende Auswirkungen auf den Alltag des Betroffenen haben kann: Die Gedanken des Betroffenen kreisen permanent um die Möglichkeit einer möglichen Erkrankung, so dass teilweise die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit extrem abnimmt und der Betroffene gesellschaftlich, sozial und wirtschaftlich sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat. „Natürlich muss es nicht immer so folgenreich enden, doch als erstes leiden naturgemäß die psychosozialen Kontakte, d.h. Partnerschaft, Familie, Beruf, Nachbarschaft, Freundeskreis u.a. Die verhängnisvollste Konsequenz lässt sich letztlich mit zwei Begriffen umschreiben: Rückzug und Vereinsamung. Dann folgen meist noch Angststörungen, vor allem aber depressive Verstimmungen, die den Endzustand charakterisieren: das schier hoffnungslose Versinken in der eigenen Krankheitswelt“, ließt man auf dem Internetportal psychosoziale-gesundheit.net.

Bei einer Erkältung liegt man selbst als Laie in der Selbstdiagnose und der Ursachenfindung meistens gar nicht so falsch, allerdings sind mehrdeutige Empfindungen die Herz, Kreislauf, Wirbelsäule, Gelenke und Stoffwechsel betreffen, sehr problematisch. Hier sind Diagnose und Ursachenfindung teilweise selbst für Fachpersonal erschwert, da sie besonders viele Faktoren einschließen. Neben anfänglicher Fehlwahrnehmung der Signale seines eigenen Körpers und einer erhöhten Frequentierung von Fachärzten nahm in den letzten Jahren besonders die Selbstdiagnose der Betroffenen erheblich zu: Dank Google und einer Vielzahl von Internet-Foren, in denen man sich amateurhaft über Krankheitssymptome erkundigen kann, nahm die Hypochondrie ein neues Ausmaß an. Diese Form der Störung, bei welcher der Betroffene zahlreichen Amateur-Aussagen in Internetforen mehr Glauben schenkt als der Diagnose eines Facharztes, wird in Fachkreisen als Cyberchondrie bezeichnet. Entscheidend ist hierbei die Tatsache, dass der von Hypochondrie bzw. Cyberchondrie betroffene Patient sich nicht nur übermäßig mit der Möglichkeit der Krankheit beschäftigt, sondern dass er ausgebildetem Fachpersonal nicht glaubt, dass dem untersuchten Beschwerdebild keinerlei körperliche Erkrankung zugrunde liegt. „Alles Denken und später Handeln, zuletzt das ganze Leben kreisen überwiegend oder am Ende ausschließlich um die Furcht vor einer oder mehrerer Krankheiten, was umso schlimmer wird, je weniger fassbar es ist. So hört man oft ‚was muss das für eine schreckliche Krankheit sein, die von so vielen Experten nicht richtig diagnostiziert werden kann‘. […] Dann folgen meist […] Angststörungen, vor allem aber depressive Verstimmungen, die den Endzustand charakterisieren: das schier hoffnungslose Versinken in der eigenen Krankheitswelt“, ließt man auf dem Internetportal psychosoziale-gesundheit.net.

Es ist für Betroffene und ihre Angehörigen wichtig, dass Hypochondrie im Alltag nicht bagatellisiert wird. Selbst in ihren ursprünglichsten Formen kann sich diese Neigung unter bestimmten Faktoren zu einer psychischen Störung entwickeln – die Grenzen zwischen gelegentlicher Fehlwahrnehmung des eignen Körpers, dem übermäßigen Besorgtsein auf Grund eines Wehwehchens und der tatsächlichen, psychischen Störung liegen in der Grauzone. Wer unter seiner eigenen Hypochondrie leidet, der sollte professionelle Hilfe durch Psychiater und Psychologen aufsuchen. Hier können Betroffene Verhaltensweisen erlernen, mit denen sie ihre Angst vor Krankheiten im Alltag eindämmen können bzw. wie sie ihren Körper richtig interpretieren. (km)

Kommentare sind geschlossen