Veganismus – Die meisten Argumente gegen den Veganismus stimmen nicht

Veganer sowie Vegetarier kennen die Vorwürfe, da sie sie viel zu oft zu hören bekommen. Manche überzeugte Fleischesser lieben es nämlich, mit diesen Aussagen zu provozieren. Aber was ist dran an den klassischen Anti-Veganismus-Argumenten? Wir haben uns fünf von ihnen genauer angeschaut:

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1. „Tiere töten andere Tiere und ernähren sich davon, warum sollten wir Menschen das nicht auch machen?“
Dieses gern genutzte Fleischliebhaber-Argument wirkt auf den ersten Blick schlüssig. Tiere essen Tiere, der Mensch ist letztendlich auch nur ein Tier, deshalb isst auch er Tiere. Aber halt: Zunächst einmal sind nicht alle Tiere Fleischfresser, doch die, die es sind, haben auch die körperlichen Voraussetzungen zum jagen und töten und das Tier ist unverarbeitet für deren Mägen verträglich. Denkt ein Mensch vor seinem Schnitzel sitzend darüber nach, nach draußen zu rennen und in ein lebendiges Schwein zu beißen, empfindet er das (hoffentlich!) als abstoßend oder zumindest seltsam. Nun ist der homo sapiens (dt. verständiger, einsichtsvoller Mensch) wie aus dem Begriff schon klar wird, fähig, zu lernen und die Mittel die ihm seine Umwelt stellt zu seinen Zwecken zu nutzen.

So kam es auch dazu, dass der Mensch Waffen baute, mit denen er Tiere, die zunächst zu stark für ihn erschienen, erlegen konnte. Diese Fähigkeit könnte man auf den ersten Blick als Bestimmung zum menschlichen Fleischkonsum verstehen. Doch der Mensch hat nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, die sein Verhalten beeinflussen. Viel wichtiger noch ist die menschliche Intelligenz, wörtlich aus dem lateinischen „wählen zwischen“. Denn im Unterschied zum Löwen muss der Mensch gar kein Fleisch essen! Er weiß wahrscheinlich sogar, dass es seinem Cholesterinspiegel gut tun würde, wenn er auf Fleisch verzichten würde. Und aus irgendeinem Grund empfindet er es auch als Vorwurf, wenn ihm die neue Kollegin in der Kantine erzählt, dass sie kein Fleisch isst, während er sich sein Steak schmecken lassen will…

2. „Die vegane Ernährung wäre mir viel zu teuer, da vegane Würstchen, Schnitzel etc. so viel kosten!“
Laut des agrarpolitischen Berichts der Bundesregierung 2015 verzehrt der Durchschnittsdeutsche jährlich 38 kg Schweinefleisch. Im Tagesschau Interview kalkuliert Markus Jeiler, Schweinehalter aus Dülmen, dass ein Kilo Schweinefleisch 1,70 Euro kosten müsste, um allein die Kosten für die Produktion zu decken. In der Realität sind die Preise deutlich niedriger. http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2012/knallhart-kalkuliert-was-kostet-ein-schwein-100.html

Und was isst der Vegetarier? Da Jeiler hier von unverarbeitetem Schweinefleisch spricht, ist das nächstliegende Fleischersatzprodukt zum Vergleich Tofu. Dieses kostet pro Kilo in Bio-Qualität satte 4,77 Euro! Möchte man also klischeegetreu Fleisch mit Tofu ersetzen, sind hohe Lebensmittelkosten vorprogrammiert. Wer jedoch bereit ist, selbst Gemüse zu schneiden, Mehl zu Seitan zu waschen und Bulleten aus Hülsenfrüchten zu braten, muss auch als Vegetarier nicht viel Geld ausgeben, um Fleisch gezielt zu ersetzen.

3. „Veganer sind mangelernährt“
Die Annahme, dass Veganer mangelernährt wären, entsteht leicht, da allgemein bekannt ist, dass tierische Produkte energiereiche Proteinlieferanten, voller Eiweiß und Mineralstoffe sind. All diese Nährstoffe kann man auch durch eine rein pflanzliche, ausgewogene Ernährung in ausreichender Form aufnehmen. Nun könnte man als Tierprodukt-Befürworter argumentieren, dass man sich, um zu wissen, wie man all diese Nährstoffe in veganer Form ausreichend zu sich nimmt, viel zu sehr mit der eigenen Ernährung auseinandersetzen müsste. Doch Veganer wird man freiwillig und wer sich dazu entscheidet, hat sich bereits mit der eigenen Ernährung auseinandergesetzt. Deshalb weiß der Veganer gewöhnlich, was er isst, und hat deshalb meist auch keine Mangelerscheinungen.

4. „Die Pflanzen, die Ihr esst, haben doch auch Gefühle!!“
Sofern Pflanzen auch Gefühle hätten, hätte der überzeugte Veganer wenn er seinen Idealen getreu bleiben möchte, gar nichts mehr zu essen. Sofern er nicht verhungern wollte, gäbe es keine Alternative, als irgendjemanden, entweder Pflanze oder Tier, Leid zuzufügen, um zu essen. Zu seinem Glück haben die Pflanzen aber, auch wenn viele Menschen über diesen Weg ihren Fleischkonsum rechtfertigen wollen, keine Gefühle, da sie kein Zentralnervensystem besitzen. Reaktionen einer Pflanze auf ihre Umwelt entstehen durch chemische und elektrische Signalweiterleitungen. Voraussetzungen für Empfindungen ist jedoch ein Bewusstsein. Deshalb ist es kein Problem für den Veganer, sich ohne Gewissensbisse pflanzlich zu ernähren, da die Pflanzen kein Leid empfinden.

5. „Vegetarier sind tierliebe Hippies“
Oft muss man sich als Veganer anhören, zu tierlieb, unwirtschaftlich oder sogar realitätsfern zu sein. Aber genauso unterschiedlich wie Menschen sind, sind auch die Gründe für den Fleischverzicht. Natürlich denken viele Veganer bei ihrer Ernährung an die Tiere, und wie miserabel die Zustände in der Massentierhaltung sind, aber es liegen noch einige Gründe auf der Hand. Beispielsweise ist die „Erzeugung” von Fleischprodukten absolut unwirtschaftlich, wenn man betrachtet, welche Menge an Rohstoffen, Land und staatlichen Fördergeldern in diese Industrie gesteckt wird, um eine vergleichsweise geringe Kalorienmenge herzustellen. Weiterhin ist es nicht möglich mit der zur Verfügung stehenden Fläche genügend Fleisch für eine rasch wachsende Weltbevölkerung zu produzieren. Wenn jeder Mensch auf der Erde soviel Fleisch essen würde, wie der durchschnittliche Deutsche, wäre das auch heute schon nicht möglich.

Setzt man sich mit den Kritikpunkten auseinander, fällt auf, dass die meisten Vorwürfe unbegründet sind und den Veganer in seinen Grundsätzen ins Wanken bringen sollen. Veganer sind keine naiven Gutmenschen die in einer Traumwelt leben, ihnen ist es nur wichtig, ihren Idealen treu zu bleiben.

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