Interview mit Gerti Metz – Leiterin von SEFRA e.V. Aschaffenburg

Was ist SEFRA, für was steht das Kürzel, und seit wann gibt es den Verein?
SEFRA steht für Selbsthilfe- und Beratungszentrum für Frauen in Aschaffenburg e.V. Uns gibt es mittlerweile seit fast 32 Jahren. Seit 1999 bin ich Leiterin der Beratungsstelle.

Wer kann zu Ihnen kommen?
Jede Frau aus der Stadt bzw. dem Landkreis Aschaffenburg und dem Landkreis Miltenberg kann sich an uns wenden. Wir versuchen schnellstmöglich den Frauen, innerhalb von zwei Wochen einen Beratungstermin anzubieten, in akuten Krisen können die Frauen sofort zu uns kommen. Ganz wichtig: Die Anruferinnen bleiben anonym insofern, dass ihre Telefonnummern nicht angezeigt werden.
Unsere Beratungsstelle ist von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr geöffnet, außer Mittwoch. Beratungstermine sind selbstverständlich auch kurzfristig möglich.

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Start SEFRA-Lauf


Was ist die Hauptproblematik der Frauen, die die Beratungsstelle aufsuchen?
Die Kernthemen sind häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Stalking und all die damit verbundenen Problemlagen. Laut einer repräsentativen Studie erlebt in Deutschland jede vierte Frau häusliche Gewalt, bei behinderten Frauen ist sogar jede zweite von Gewalt betroffen. Gewalt findet übrigens in allen Gesellschaftsschichten statt.

Wie helfen Sie den betroffenen Frauen?
Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist die psychosoziale Beratung in Belastungs- und Krisensituationen. Zusätzlich bieten wir Telefon- und Email-Beratung an. Wir versuchen die Frauen zu stabilisieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wir machen Mut, etwas zu verändern, zeigen auf, dass es Veränderungsmöglichkeiten gibt, wenn die Frauen aus Angst oder Scham nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Außerdem stellen wir einen „Notfallkoffer“ zusammen. Wir suchen nach Schutzmöglichkeiten, erarbeiten einen Sicherheitsplan für die betroffene Frau und ihre Kinder, verweisen weiter ins Frauenhaus oder an andere Frauenunterstützungseinrichtungen. Außerdem arbeiten wir mit der Polizei, Ärzten, Therapeutinnen und dem Jugendamt zusammen. All das wird mit den betroffenen Frauen besprochen, es wird keine Entscheidung über deren Kopf hinweg getroffen.

Ganz wichtig ist es, dass wir Zusammenhänge erklären, wie etwa, was macht Gewalterfahrung mit dem Selbstwertgefühl? Wie hängt Gewalterfahrung mit dem körperlichen Befinden zusammen? Gewalt hat auch psychosomatische Folgen. Wir besprechen mit der Frau Unterstützungsmöglichkeiten. Unser Blickwinkel ist lösungs-und ressourcenorientiert. Zusätzlich bieten wir einmal im Monat eine Rechtsberatung durch verschiedene Anwältinnen an.

Zu anderen Problemen, wie Essstörungen, sozialem Rückzug, Depressionen, Ängsten und Trauma gibt es therapeutisch angeleitete Gruppenangebote.

Ein weiteres Angebot sind die Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse für Frauen, Mädchen und Jungen. Außerdem begleiten wir vermehrt von Gewalt traumatisierte Flüchtlingsfrauen. Dieses Jahr liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit in der Unterstützung behinderter Frauen und in der Arbeit mit ausländischen Frauen (mit Dolmetscherinnen). Was uns noch wichtig ist: Wir wollen die Zugangswege zu SEFRA bekannt machen. Die Beratung erfolgt durch Fachberaterinnen, bei denen die Frauen über das Erlebte sprechen können, ihnen geglaubt und ihre Anonymität gewahrt wird.

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Sefralauf Impressionen


Wie sieht es mit der Öffentlichkeitsarbeit aus?
Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Aspekt unseres Vereins. Wir organisieren Infostände zu unterschiedlichen Themen, halten Vorträge, betreiben Netzwerkarbeit. Außerdem arbeiten wir in verschiedenen Arbeitskreisen mit. Wir stehen in engem Kontakt mit der Polizei, der Justiz, dem Jugendamt und weiteren Einrichtungen. Wir werden zu verschiedenen Institutionen eingeladen und beteiligen uns am Fest im Bahnhofsquartier. Bekannt ist unser Benefizlauf, der in diesem Jahr schon zum 13. Mal stattfindet. Am 9.Juli laufen wir wieder gegen Gewalt. Egal ob walken oder joggen, mitlaufen kann jeder – gegen ein Startgeld – der in der Lage ist, die sechs Kilometer durch die Aschaffenburger Innenstadt zu bewältigen.

Unterstützt werden wir dabei von verschiedenen Firmen und Vereinen. SEFRA ist auf Spenden angewiesen. Die Erstberatung ist bei uns kostenlos, wir freuen uns über eine Spende. An Geld scheitert keine Beratung.

Wie viele Mitarbeiter hat SEFRA?
Wir sind zurzeit mit einer Vollzeitstelle als Leitung, zwei Halbtagsstellen im Bereich Beratung und einer Halbtagsstelle für die Verwaltung besetzt. Dazu kommen noch ca. 20 bis 25 ehrenamtliche Mitarbeiter, die uns regelmäßig unterstützen. Auch unsere zwei Vorstandsfrauen Arzu Levent und Damla Kade arbeiten ehrenamtlich.

Eine persönliche Frage: seit wann leiten Sie die Beratungsstelle, Frau Metz, und wie gehen Sie mit den Belastungen um?
Ich leite die Beratungsstelle seit 18 Jahren. Und zu Ihrer zweiten Frage Belastungen: Wichtig ist eine professionelle Distanz zu den Themen. Ganz entscheidend sind gute unterstützende Mitarbeiterinnen, ein unterstützender Vorstand, das Arbeitsklima muss stimmen. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit ist der beste Schutz vor Erschöpfung. Übrigens steht ab August ein Wechsel in der Leitung der Beratungsstelle an.

Was ist Ihnen noch wichtig? Was wünschen Sie sich für den Verein SEFRA e.V.?
Unser Wunsch wäre eine bessere Ausstattung sowohl personell als auch finanziell, um auch zukünftig auftretende Problemlagen, wie die Arbeit mit Migrantinnen und die Ausweitung der Präventionsangebote bewältigen zu können. Natürlich freuen wir uns über Spenden, denn ohne Spenden könnten wir unsere Arbeit nicht weiter professionalisieren. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, Fördermitglied bei SEFRA e.V. zu werden.

Liebe Frau Metz, vielen Dank für das interessante Gespräch. Interview: Christiane Schmidt Rüppel

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