Die Top-Ten-Sportler aus unserer Region: von Felix Magath bis zu José Holebas

Wer sind die zehn Top-Sportler in unserer Region? Die Auswahl fällt schwer, gibt es doch eine Reihe erstklassiger Sportler mit großen Erfolgen bei uns. Wobei es durch den TV Großwallstadt etliche Top-Handballer und durch die Aschaffenburger Viktoria zahlreiche Top-Fußballer gibt. Aber auch Ringen ist am Bayerischen Untermain und im nahen Hessen eine beliebte Sportart mit großen Erfolgen gewesen.

Somit ist die Auswahl nicht leicht und wir haben in der Familie auch diskutiert, wer denn die führenden Stellen einnimmt. Letztendlich kann die Auswahl eben nur subjektiv erfolgen. Die ersten drei Positionen waren aber mit den beiden Handball-Weltmeistern Kurt Klühspies und Manfred Hofmann sowie dem Fußballer Felix Magath, Europameister mit der Nationalmannschaft und Europapokalsieger mit dem HSV gleich klar. Klühspies und Hofmann könnten auch an erster Stelle stehen, doch haben wir uns für den bekannten Fußballer Magath entschieden.

(1) Felix Magath: Immer nur Fußball gespielt
Felix Magath ist in Aschaffenburg aufgewachsen und hat mit seiner Mutter im Röderweg in der Nähe der Würzburger Straße gewohnt. Die Mutter musste arbeiten und der 1953 geborene Wolfgang Felix Magath ist nachmittags lieber kicken gegangen als Hausaufgaben zu machen. Zum Glück hat „Maggi“ wie er damals gerufen wurde immer nur Fußball gespielt, sonst wäre aus ihm nicht so ein Spitzenfußballer geworden.

Mit dem jungen Magath wurde die Viktoria 1973/1974 Meister der Oberliga Hessen. Magath wechselte dann in die 2. Bundesliga nach Saarbrücken und dann 1976 in die 1. Bundesliga zum HSV, wo er in 306 Bundesligaspielen zu einem der legendären Spieler des Vereins wurde. Mit dem HSV wurde Magath dreimal Deutscher Meister und dreimal Vizemeister. 1977 erzielte Magath im Europapokal der Pokalsieger gegen den RSC Anderlecht das alles entscheidende 2:0. Und am 25. Mai 1983 wurde Magath zumindest für die HSV-Fans unsterblich. Im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister gegen Juventus Turin erzielte der Ascheberger Bub in der achten Minute das 1:0, das sich als Siegtor erwies.

Mit der Nationalmannschaft wurde Magath 1980 Europameister und 1982 sowie 1986 Vize-Weltmeister. Doch nicht nur als aktiver Spieler, auch als Trainer war Felix Magath sehr erfolgreich.

(2) Kurt Klühspies: „Wir haben eine Trainingseinheit mehr als die anderen absolviert“
Er hat im Handball – bis auf den 1980 durch den Olympiaboykott der Bundesrepublik verhinderten Olympiasieg – alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt ,und war dabei Führungsspieler: 1978 Weltmeister mit der Deutschen Nationalmannschaft, 1979 und 1980 Gewinner des Europapokals der Landesmeister (heute heißt es Champions League) mit dem TV Großwallstadt (TVG), 1980 Gewinner des Supercups, mit dem TVG sechsmal Deutscher Meister und zweimal Pokalsieger im Hallenhandball, 1973 Deutscher Meister bei der letzten Meisterschaft im Feldhandball. 1980 stand er in der Weltauswahl. In 456 Pflichtspielen für den TVG erzielte er 1.532 Tore, in er Nationalmannschaft waren es bei 102 Spielen insgesamt 253 Tore. Der heute 67-jährige Kurt Klühspies hatte als aktiver Handballer solch eine Klasse, dass er sogar nach Karriereende im Alter von bis zu 41 Jahren mehrmals dem TVG erfolgreich helfen konnte als Not am Mann war. Weitere Informationen zu Kurt Klühspies finden Sie auch auf seiner Website www.kurt-kluehspies.de


Kurt Klühspies in Aktion (© Kurt Klühspies)


Doch warum war der TVG damals so erfolgreich? Im Interview mit uns erläuterte Kurt Klühspies: „Wir haben eine Trainingseinheit mehr als die anderen absolviert. Unser Trainer Klaus Zöll war da seiner Zeit weit voraus. Unser Konkurrent Gummersbach hat viermal die Woche trainiert, wir fünfmal.“ So konnten Klühspies und Kollegen auch mit den Staatsprofis aus Osteuropa mithalten. „Wir waren Amateure und haben neben acht Stunden Arbeit oder Schule und Ausbildung Handball gespielt“, so Klühspies. Die Handball-Legende weiter: „Wir hatten die richtigen Spieler beim TVG und das Team hat gestimmt. Es gab zwei, drei Leithammel und die anderen haben mitgezogen. Wir wollten auch immer gewinnen, der Siegeswillen war immer da. So haben wir mit dem TVG 52 Heimspiele hintereinander gewonnen.“ Das Dorf Großwallstadt wurde zur Handballhochburg. „Wir kamen auch alle aus der Region, im Umkreis von 100 Kilometern. Die Mannschaft hat gestimmt und wir haben unsere Erfolge auch immer zusammen gefeiert“, sagte Klühspies.

(3) Manfred Hofmann: Der Torhüter durch den Deutschland 1978 Weltmeister wurde
Allen Handball-Fans ist seine sagenhafte Parade am 6. März 1976 noch in Erinnerung. Es war die letzte und entscheidende Aktion im Spiel um die Olympia-Qualifikation zwischen der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der DDR im heutigen Chemnitz. In der Nachspielzeit erhielt die DDR einen Siebenmeter. Würde DDR-Spieler Hans Engel, genannt „Eisenarm“ treffen, würde die DDR zu Olympia nach Montreal fahren. Doch „Hobbes“ (der Spitzname von Manfred Hofmann) hält! Mit dem linken Knie wehrt der Nationaltorhüter aus Großwallstadt reflexartig den keineswegs schlecht geworfenen Siebenmeter des Eisenarms ab. Und nicht die DDR, sondern die BRD fährt zu Olympia nach Montreal.

Danach begann unter Bundestrainer Vlado Stenzel eine Hochphase des deutschen Handballs, bei der Manfred Hoffmann als Torwart maßgeblich zum Erfolg beitrug. Bei den Olympischen Spielen errang Deutschland den vierten Platz. Und bei der Weltmeisterschaft 1978 in Dänemark putzte die junge westdeutsche Mannschaft, die alle Amateure waren, die Staatsprofis aus dem Ostblock weg. Im Endspiel besiegte die Bundesrepublik das favorisierte Kollektiv der UdSSR knapp mit 21:19. In diesem Spiel hielt „Hobbes“ drei Siebenmeter und sorgte durch seine erstklassige Leistung dafür, dass Deutschland Weltmeister wurde.

Der 1948 in Großwallstadt geborene Manfred Hoffmann hat – wie Kurt Klühspies – mit dem TVG alles gewonnen, was man im Handball gewinnen kann. Und das als Amateur. So arbeitete Hoffmann morgens ab acht Uhr bei der Sparkasse, um dann abends ab halb sechs in der Turnhalle in Elsenfeld zu trainieren.

(4) Alexander Leipold: Der Ringer, der nicht aufgibt
34 Mal Deutscher Meister, viermal Europameister, dreimal Weltmeister und Sieger bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney – das ist die Erfolgsbilanz des 1969 in Alzenau geborenen Ausnahme-Ringers Alexander Leipold. Doch neben den sportlichen Erfolgen gab es auch schwere Schicksalsschläge, die er bewältigt hat.


(©) Alexander Leipold


„Mein Erfolgsrezept heißt Training, Training, Training. Ich habe schon immer sehr viel trainiert, auch schon mit zehn Jahren. Wichtig ist, dass man intelligent trainiert und nicht den gleichen Fehler immer wieder macht“, erläuterte Leipold im Interview mit uns. 2003 hat der Ausnahme-Ringer nach einer schweren Viruserkrankung drei Schlaganfälle erlitten. „Nach den Schlaganfällen war ich halbseitig gelähmt, konnte nicht mehr sprechen“, so Leipold. Doch der Ringer hat nicht aufgegeben und gekämpft, um zurück ins Leben zu kommen. 2005 wurde er nach seinen drei Schlaganfällen noch einmal Weltmeister.

(5) Otto Becker: Der Olympiasieger aus Großostheim
Der 1958 in Großostheim geborene Otto Becker hat Winzer gelernt. Als Springreiter hat Becker zahlreiche nationale und internationale Titel gewonnen und war 1990 und 1994 Deutscher Meister. Im Jahr 2000 gewann er bei den Olympischen Spielen in Sydney die Goldmedaille im Mannschaftsspringen, 2004 in Athen gewann er Bronze mit der Mannschaft. Heute ist Otto Becker Bundestrainer der Springreiter.

(6) Heinz Budion: Er stand im Notizbuch von Sepp Herberger
In den Nachkriegsjahren war Viktoria Aschaffenburg eine große Mannschaft und spielte viele Jahre in der damals höchsten deutschen Spielklasse, der Oberliga Süd. Heinz Budion war Spielführer der Viktoria und erzielte von 1946 bis 1959 in 394 Pflichtspielen für die Viktoria 109 Tore in der 1. und 2. Liga Süd. Trotz Abwerbeversuchen von Kickers Offenbach oder Eintracht Braunschweig blieb Budion seiner Viktoria treu. Budion war ein so guter Fußballer, dass er ein A-Länderspiel bestritt und im Notizbuch von Sepp Herberger für die WM 1954 stand. Ein Muskelriss im Oberschenkel verhinderte allerdings, dass Budion bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz dabei sein konnte. 2017 ist der Ehrenspielführer der Viktoria im Alter von 92 Jahren verstorben.

(7) Svenja Huth: Olympiasiegerin aus Alzenau
Die 28-jährige Alzenauerin stammt aus einer Fußballer-Familie und hat bereits mit sieben Jahren in Kälberau begonnen Fußball zu spielen. Über Bayern Alzenau kam sie zum 1. FFC Frankfurt, wo sie 2007 zum ersten Mal Bundesliga spielte. Mit den Frankfurterinnen gewann sie 2008 die Deutsche Meisterschaft und wurde mehrfach Pokalsiegerin. 2015 gewann sie die Champions League. Nachdem sie zwischenzeitlich zu Potsdam gewechselt war, spielt sie inzwischen für Wolfsburg.

Für die Nationalmannschaft bestritt die Alzenauerin bisher 49 Länderspiele. 2016 wurde sie mit dem Team Olympiasiegerin in Brasilien.

(8) Rudi Bommer: Von der Viktoria mit 34 zur Eintracht
Den größten Coup landete Rudi Bommer als er 1992 im Alter von 34 Jahren von der Viktoria zu Eintracht Frankfurt in die 1. Bundesliga wechselte. Und Bommer war zur Überraschung vieler noch gut genug, um bei der Eintracht in der 1. Liga zu kicken. Von 1976 bis 1985 spielte Bommer Bundesliga bei der Fortuna in Düsseldorf mit der er auch zweimal den DFB-Pokal gewann. Von 1985 bis 1988 kickte er für Bayer 05 Uerdingen. Insgesamt kommt er auf 417 Bundesligaspiele, in der er 54 Tore schoss. Mit der Olympiaauswahl gewann er 1988 die Bronzemedaille. Er bestritt sechs A-Länderspiele. In den vergangenen Jahren war Rudi Bommer als Trainer tätig.

(9) Bubu Knecht: Der Bomber vom Schönbusch
Er ist der „Bomber vom Schönbusch“. Denn der 1960 geborene „Bubu“ Hans-Peter Knecht hat nicht nur als Libero und im Mittelfeld Bälle verteilt, Bubu hat auch kräftig eingelocht und rund 200 Tore für die Viktoria geschossen. Mit Bubu stieg die Viktoria in den 80er Jahren in die 2. Fußball-Bundesliga auf. Und mit Bubu als Libero hat die Viktoria 1987 im DFB-Pokal den damaligen Spitzenreiter der 1. Bundesliga, den 1. FC Köln, am Schönbusch 1:0 geschlagen – und damit Udo Lattek seinen blauen Pulli ausgezogen. Legendär sind die „Bubu, Bubu“-Rufe des ganzen Stadions, wenn die Viktoria einen Freistoß in Strafraumnähe bekam. Und Bubu hat rund drei von fünf Freistößen reingemacht.

Der Großostheimer, der aus einer Fußballer-Familie stammt, hat im Interview mit uns erläutert: „Ich habe eine gute Schusstechnik und auch die passenden Hebelverhältnisse. Schießen und treffen, das konnte ich eigentlich schon immer.“ Bubu war aber nicht nur für die Viktoria aktiv, sondern hat auch für Kickers Offenbach gespielt, wo er mir Rudi Völler und Uwe Bein 1981 in der Relegation zur 1. Bundesliga knapp scheiterte. Und auch in Offenbach hat das ganze Stadion bei Freistößen „Bubu, Bubu“ gerufen.


OFC mit Bubu Knecht und Rudi Völler (Foto: © Hans-Peter Knecht


(10) José Holebas: Vom SV Damm zum griechischen Nationalspieler
Der 1984 in Aschaffenburg geborene Holebas begann als Kind beim FC Südring zu spielen und kickte dann als Aktiver beim SV Damm. Nach einer Saison bei Viktoria Kahl wechselte er 2006 zu 1860 München. 2010 wechselte der Verteidiger dann nach Griechenland zu Olympiakos Piräus. 2011 spielte der Sohn eines Griechen dann zum ersten Mal für die griechische Nationalmannschaft. 2012 nahm er für Griechenland an der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine teil und spielte auch. 2014 wechselte Holebas nach Italien zum AS Rom und 2015 zum FC Watford in die Premier League. Dort wurde sein Vertrag bis 2020 verlängert. Eine tolle Karriere als Fußballer, die beim FC Südring und in Damm begann.
Text: Werner Rüppel

Kommentare sind geschlossen