Schnelles Internet? Warum Deutschland in diesem Bereich zu den Entwicklungsländern zählt

Die Pläne der Bundesregierung weisen darauf hin, dass der Ausbau von schnellem Internet noch Jahre dauern wird. Doch warum ist das Mobilfunknetz in Deutschland so schlecht?

Die Mobilfunkversorgung in Deutschland ist lückenhaft, langsam und noch dazu sehr teuer. Das Ganze begann bereits in den 1980er Jahren. Der Mangel an Qualität von deutschen Mobilfunknetzen ist wohl auf zwei Hauptfaktoren zurückzuführen. Zum einen gibt es in Deutschland nur drei Marktteilnehmer. Das heißt, die führenden Unternehmen Telefónica, Vodafone und Telekom können ihre Marktsituation entspannt genießen, da sie relativ wenig Konkurrenz haben. Zum anderen trägt die Bürokratie im Bereich des Mobilfunks sehr stark dazu bei, dass Deutschland in diesem Bereich lediglich als Entwicklungsland angesehen wird. Bis in Deutschland eine Basisstation gebaut und genehmigt wird, vergehen bis zu zwei Jahre. Andere Länder hingegen brauchen für den gleichen Aufwand nur ein halbes Jahr. In weiterer Folge gibt es aber auch noch das sogenannte Not-In-My-Backyard-Phänomen. Dieses Phänomen beschreibt die deutschen Bürger, welche sich sehr stark dagegen wehren, wenn ein Mobilfunkmast in der Nähe der eigenen Wohnung aufgestellt werden soll. Zu guter Letzt tragen auch die Kosten für die Frequenzsteigerungen sowie die Kosten für die Versorgungsauflagen dazu bei, dass in Deutschland immer noch ein sehr schwaches Mobilfunknetz zur Verfügung steht. Die Anbieter müssen sehr viel für UMTS-Lizenzen bezahlen und der Ausbau des 4G-Netzes war mit Versorgungsauflagen der Fläche verbunden. Beide Aspekte hatten eine sehr nachhaltige Auswirkung auf die Kostenstruktur.

Warum ist das Netz in Deutschland so schlecht ausgebaut?
Im weltweiten Vergleich schneidet Deutschland im Bezug auf das Mobilfunknetz noch immer sehr schlecht ab. Doch warum ist das so? Im Allgemeinen gibt es drei Breitbandtechnologien. Diese sind Kupfer, welches nie für moderne Autos vorgesehen war und als Analogie einem Feldweg entspricht, Kabelinternet, welches zwar älter ist, aus dem mehr herausgeholt werden kann und welches als Analogie der Landstraße entspricht sowie Glasfaser, welches als Analogie einer Autobahn entspricht und sehr schnelle Geschwindigkeiten mit hohem Potenzial erreichen kann. Daran kann erkannt werden, dass die Kupferleitungen deutlich langsamer sind. Ab dem Jahre 1981 wollte Bundeskanzler Schmidt einen Plan über 30 Jahre für den Ausbau von Glasfaser verfolgen. Der Plan wurde dann aber unter Helmut Kohl auf Eis gelegt, da dieser lieber in das Kabelfernsehen investieren wollte. Dies führte dazu, dass man sich in Deutschland im Jahre 2005 immer noch mit der DSL-Verbindung begnügen musste. Bis zum Ende der 2000-er gab es in Deutschland keine Alternative zu der DSL-Verbindung. Im Allgemeinen ist das mobile Internet in Deutschland deshalb so schlecht, da ein Glasfasermangel herrscht. Aufgrund dessen sind auch die Mobilfunkstationen schlecht angebunden.

Warum sind die Mobilfunkpreise in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern so teuer?
Folgende Gründe sind dafür verantwortlich, dass die Preise in Deutschland so hoch sind:
• teurer Netzausbau
• teure Frequenzen
• weniger Einnahmequellen
• sparsamer Umgang der Deutschen

Der teure Netzausbau
Telefónica, Vodafone und Telekom investieren sehr viel in den Ausbau der Netze. Die Netze werden deshalb ausgebaut, da bewerkstelligt werden soll, dass 99 Prozent der Haushalte bis Ende 2021 von schnellem LTE profitieren können. Aufgrund dessen müssen Tausende neue Mobilfunkmasten aufgestellt und anschließend in Betrieb genommen werden. Eine LTE-Sendeanlage kostet ungefähr 170.000 Euro. Die Wahl des Standortes spielt allerdings eine große Rolle. Dies bedeutet, der Mast muss so stehen, dass der gesamte abgedeckte Bereich ungefähr gleich gut von den Funkwellen erreicht werden kann. Deshalb ist das Netz in weniger besiedelten Regionen schlecht und der Ausbau teuer.

Die teuren Frequenzen
Die Mobilfunkfrequenzen werden in Deutschland vom Staat im Zuge eines Auktionsverfahren versteigert. Hier werden die Mobilfunkpreise künstlich gesteigert. Es wird immer wieder gefordert, dass auf dieses Auktionsverfahren verzichtet wird und die Frequenzvergabe mit staatlichen Auflagen verknüpft werden solle. Dies wird aber nicht beachtet, da sich das Auktionsverfahren für den Staat sehr positiv auswirkt. Bei einer kostenlosen Vergabe würden nur die Netzbetreiber profitieren.

Weniger Einnahmequellen
Die Provider haben eine wichtige Einnahmequelle weniger. Dies ist auf den Wegfall der Roaming-Gebühren im Jahre 2018 zurückzuführen. Außerdem wirkt sich auch das langsame Aussterben der SMS auf die Mobilfunkanbieter im Negativen aus.

Der sparsame Umgang der Deutschen
Provider müssen immer wieder die Erfahrung machen, dass die Deutschen in Sachen Datenverbrauch sehr sparsam sind. Aufgrund dessen können die Provider bei Privatkunden nicht viel Geld holen.

Der Vergleich zwischen Deutschland und anderen Ländern
Aktuellen Messungen zufolge ist das Netz in Deutschland eines der schlechtesten in ganz Europa. Es ist wesentlich langsamer und gleichzeitig auch viel schlechter ausgebaut als in den anderen europäischen Ländern. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei einem Glasfaserinternet sehr weit zurück. Wenn die Durchschnittsgeschwindigkeiten von LTE-Verbindungen betrachtet werden, kann Deutschland gerade einmal den 32. Platz in Europa belegen. Es wird eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 22,7 Mbit/s erreicht. Beim Spitzenreiter Niederlande können durchschnittliche Geschwindigkeiten von 42 Mbit/s erreicht werden. Das Internet ist in Europa nur in Weißrussland, in Russland, in Polen und in Georgien langsamer als in Deutschland. Eine LTE-Verbindung konnte nur bei 65 Prozent der Messungen erreicht werden. In den Niederlanden konnte bei 90 Prozent der Messungen eine LTE-Verbindung erzielt werden. Damit aber noch nicht genug, denn das Internet ist in Deutschland meist wesentlich teurer. In Deutschland können für monatlich 30 Euro rund sechs Gigabyte Datenvolumen erworben werden. In anderen Ländern kann für diesen Betrag ein Mehrfaches an Datenvolumen gebucht werden. In einzelnen Ländern gibt es um diesen Preis sogar schon Flatrates, welche nie gedrosselt werden.

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